Am Dienstag, den 14. Oktober, veranstalten die Gewerkschaften eine landesweite Demonstration gegen die Spar- und Rentenpläne der belgische Bundesregierung. Sie hoffen, bis zu 100.000 Demonstranten nach Brüssel holen zu können. Im öffentlichen Dienst kann es zu Problemen kommen und dies nicht nur in der Hauptstadt. Die belgische Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB wird während des nationalen Aktionstages 12 zusätzliche Züge einsetzen, um die Demonstranten nach Brüssel bringen zu können.
Nationaler Aktionstag der Gewerkschaften am 14. Oktober: Wo ist mit Problemen zu rechnen?
Die Gewerkschaften hoffen, den Erfolg des Jahres 2014 wiederholen zu können, als rund 100.000 Demonstranten für eine ähnliche Aktion durch die Straßen von Brüssel zogen „Wir erwarten viele Leute, aus allen Branchen, dem öffentlichen Dienst und von vielen verschiedenen Organisationen“, so die Gewerkschaften. Die Rentenreformen der Regierung, der geplante Ausbau der Flexi-Jobs und die niedrigere Bezahlung von Nachtarbeit sind Themen, die kritisiert werden.
Die Demonstranten versammeln sich ab 10 Uhr am Brüsseler Nordbahnhof. Die Demonstration wird gegen 10.45 Uhr quer durch die Innenstadt am Bahnhof Brüssel-Zentral vorbei zum Bahnhof Süd/Midi aufbrechen. Entlang der Strecke ist auf jeden Fall mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen, sowohl für den Autoverkehr, als auch für den öffentlichen Nahverkehr.
Busse, U-Bahnen und Straßenbahnen
Auch andere Linien der Brüsseler ÖPNV-Gesellschaft MIVB/STIB werden am Dienstag erheblich beeinträchtigt. An dem Aktionstag nehmen auch Mitarbeiter des Brüsseler Verkehrsunternehmens teil. Das genaue Ausmaß der Behinderungen lässt sich laut MIVB nur schwer vorhersagen. Hier heißt es, „man tue alles Mögliche, um zumindest einen Teil des Dienstleistungen sicherzustellen und Reisende in Echtzeit über die Situation im Internet zu informieren.“
Der Kundenservice der MIVB steht am 14. Oktober ab 6 Uhr morgens zur Verfügung, um Fragen zu beantworten, die über soziale Medien oder telefonisch gestellt werden. Das Verkehrsunternehmen rät Reisenden, im Voraus nach alternativen Lösungen für Fahrten in Brüssel an diesem Tag zu suchen. Die regionale flämische Verkehrsgesellschaft De Lijn erwartet landesweit ebenfalls Probleme. Hier werden am Dienstag nur etwa 61 % aller Busse und Straßenbahnen verkehren. De Lijn rät seinen Fahrgästen, an diesem Tag den Routenplaner zu konsultieren. Ausfallende Fahrten erscheinen nicht im Routenplaner. Bei der wallonischen ÖIPNV-Gesellschaft TEC wird ähnlich verfahren.
Flugverkehr und Eisenbahn
Am Brussels Airport wird es aufgrund der Gewerkschaftsaktion keine Starts von Passagierflüge geben. Auch bei einigen ankommenden Flügen kann es zu Auswirkungen kommen. Hier wird am nationalen Aktionstag der Gewerkschaften am Dienstag nicht genügend Personal am Flughafen zur Verfügung stegen, um den Betrieb in völliger Sicherheit zu gewährleisten. Alle Passagiere wurden und werden von ihrer Fluggesellschaft kontaktiert, um einen neuen Flug zu buchen oder ihre Flüge zu stornieren. Der regionale Charterflughafen Brussels-South-Charleroi gab bekannt, dass am Dienstag alle Flüge gestrichen werden.
Bei der belgischen Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB ist keine Behinderung zu erwarten. Hier wurde von den Gewerkschaften keine Streikankündigung eingereicht. Die Bahn setzt an diesem Tag 12 Sonderzüge für die Demonstranten ein. „Diese zusätzlichen Züge sind für den Komfort aller Fahrgäste notwendig, auch für unsere Pendler, die am Dienstagmorgen mit dem Zug zur Arbeit oder zur Schule fahren“, sagte Bahnsprecher Dimitri Temmerman. Die zusätzlichen Züge befinden sich bereits im Reiseplaner und in der App der Bahn.
Einzelhandel und Bildungswesen
Die Auswirkung der Demonstration ist möglicherweise auch im Einzelhandel spürbar. Schließlich rufen die Gewerkschaften alle Mitarbeiter von Supermärkten und Non-Food-Ketten wie Modeketten oder Heimwerkergeschäften dazu auf, ihre Arbeit an diesem Tag niederzulegen und sich an der nationalen Aktion zu beteiligen. Sie fordern außerdem die Kundschaft dazu auf, einen „Konsumstreik“ einzulegen und nicht einkaufen zu gehen, sondern sich am Dienstag mit der Protestbewegung gegen die Spar- und Rentenpläne der Regierung solidarisch zu zeigen.
Im Bildungswesen allerdings scheinen diese Auswirkungen des nationalen Aktions- und Streiktages begrenzt zu sein. In einer Umfrage der flämischen Lehrkräfte-App der Artevelde-Hochschule in Gent gaben acht von zehn flämischen Lehrern an, dass sie am Dienstag im Unterricht sein würden. Hierbei handelt es sich um vorläufige Zahlen, die auch keinen Unterschied zwischen Lehrekräften im Primar- oder Sekundarbereich bzw. im Universitäts- oder Hochschulwesen unterscheiden. Wie dies in der Wallonie bzw. in der Brüsseler Hauptstadt-Region aussehen wird, ist unklar.
