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EUROPALIA ESPAÑA: Luz y sombra - Goya und der spanische Realismus in Brüssel

Francisco de Goya (1746-1828) erlangte Ruhm mit monumentalen Porträts aus den höheren Kreisen und mit traditionellen Szenen von Volksfesten. Aber auch - in krassem Gegensatz dazu - mit seinen eindringlichen, packenden Darstellungen von Ungerechtigkeit, Missständen und den Schrecken seiner Zeit. Die Hauptausstellung von EUROPALIA ESPAÑA vereint Radierungen und Gemälde von Goya aus Sammlungen aus aller Welt und stellt sie in einen Dialog mit Werken von Zeitgenossen und Künstlern jüngerer Generationen und von heute. Diese Ausstellung erkundet Goyas formales, konzeptionelles und ideologisches Erbe, das nach wie vor fasziniert, bewegt und inspiriert und das bis heute zur Imagebildung Spaniens beigeträgt.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Mit der Ausstellung „Luz y sombra“ richten EUROPALIA ESPAÑA und Bozar den Fokus auf Francisco de Goya (1746-1828), den Maler und Kupferstecher, der zum Katalysator einer Modernität wurde, die in der realistischen spanischen Tradition verwurzelt ist und noch immer ganze Generationen inspiriert.

Zwischen dem akademischen Realismus seiner Anfangsjahre und den „Pinturas negras“ (die „Schwarzen Gemälde“), die er am Ende seines Lebens schuf, weist sein Werk viele Facetten auf. So viele, dass sich während des spanischen Bürgerkriegs beide Lager darauf beriefen - mit unterschiedlichen Rechtfertigungen und Anknüpfungspunkten. Die Kunst von Francisco de Goya spiegelt eine Zeit der Krisen, Umbrüche, Kriege und Unsicherheiten wider und ist somit auch ein beunruhigender Spiegel unserer eigenen Zeit.

Spanischer Kanon

„Luz y sombra“ verfolgt im Brüsseler Kulturtempel Bozar die künstlerische Entwicklung des Malers in drei Perioden seines Lebens und lässt sein Werk in einen Dialog mit den Werken der ihn umgebenden Künstler und den kreativen Geistern treten, die er nach seinem Tod inspirierte, als sein Œuvre zu einer Art „spanischem Kanon” wurde. In diesem Sinne ist Goya kein Genie in einem Vakuum, sondern ein Mann seiner Zeit, der die Kunst vorantrieb, indem er sich von der Vergangenheit inspirieren ließ. Seine Jugendwerke mit religiösen Themen zeugten noch von einem akademischen Stil, einem Erbe seiner großen Reise durch Italien. Als er begann, volkstümliche Figuren in farbenfroher Kleidung zu malen, schloss er sich einem beliebten Trend am Hof an, fügte jedoch seinen eigenen empathischen Blick hinzu, der über die Stereotypen hinausging.

"Guerra", Francisco de Goya

In Druckserien wie „Los desastres de la guerra“ („Die Schrecken des Krieges“) und „Los disparates“ („Die Absurditäten“) experimentierte Goya wohl am meisten mit seinen Bildunterschriften, Zweideutigkeiten und Wortspielen. Diese dienten unter anderem als Inspiration für eine Serie von John Baldessari, die ebenfalls im Bozar zu sehen ist. Diese Drucke verweisen auch auf Bilder, die damals von Blinden und einfachen Leuten verbreitet wurden und in denen die Machthaber aufs Korn genommen wurden. Eine Tradition, die während des Bürgerkriegs und unter dem Franco-Regime fortgesetzt wurde.

Resonanz

Während des Unabhängigkeitskrieges schuf Goya eine Reihe kleiner Ölgemälde auf Holz, die von Widerstandsaktivitäten gegen die napoleonischen Truppen zeugen. Es handelte sich dabei nicht um Auftragsarbeiten, sondern um Gemälde, die er auf eigene Initiative schuf, um sie anschließend an seine aristokratischen Freunde zu verkaufen, was für seine Zeit innovativ war. Als er seine „Pinturas negras“ direkt auf die Wände seines Hauses am Rande Madrids malte, war er taub und lebte zurückgezogen, gequält von Tod und Wahnsinn, in einer Zeit der Unruhen und Instabilität in Spanien. Er experimentierte mit neuen Techniken und malte sich selbst als alten Mann, der „noch immer am Lernen war“.

"Stier", Francisco de Goya

„Goya wurde gegen Ende des Barock und zu Beginn des Klassizismus geprägt, der Avantgarde seiner Zeit”, bemerken die Kuratorinnen der Ausstellung in Brüssel, Rocío Gracia Ipiña und Leticia Sastre Sánchez: „Er schöpfte aus beiden Strömungen und integrierte ihre Lehren in seine Praxis. Darüber hinaus interpretierte er die Volkskultur neu, die er als Inhalt und Sprache nutzte, und betrachtete jedes Kunstwerk als experimentelles Problem, das sich ständig weiterentwickelte und erst dann wirklich vollendet war, wenn es von der Gemeinschaft gesehen wurde.”

Inspiration

Goyas Entwicklung ermöglicht es, mehr als siebzig spanische Künstler, die er kannte oder beeinflusste, in ihrem kulturellen und historischen Kontext einzuordnen. Sein volkstümlicher Stil fand seinen Widerhall beim Dichter Federico García Lorca, in der Pop-Art von Eduardo Arroyo oder im Antipop von Darío Villalba. Der Sarkasmus und Humor, den Goya entwickelte, sind tief im spanischen Charakter verankert. Viele Jahre später wurde er von Künstlern und Künstlerinnen wie José Gutiérrez Solana und Patricia Gadea für sich beansprucht. Sein politisches Engagement findet seinen Widerhall bei Künstlern wie Pablo Picasso, Manolo Millares, Antonio Saura und Equipo Realidad. Als ewige Quelle scheint Goya nie zu versiegen und inspiriert auch andere Disziplinen…

Das zeigt sich in der Ausstellung im Bozar auch mit „The sleep of reason“, dem Ergebnis eines Workshops unter der Leitung der Tänzerin und Choreografin Núria Guiu Sagarra mit den Studierenden des Bachelor-Studiengangs Tanz am Königlichen Konservatorium Antwerpen, die „Tableaux vivants“ im Sinne von Goyas unheilvoller, satirischer Welt präsentieren. Die aus Venezuela stammende Künstlerin Sophia Rodriguez stützt sich in ihrer Performance „La maja desnuda. Eaten by Saturn“ wiederum auf zwei berühmte Werke des spanischen Künstlers.

Quellen: Pressemitteilungen Bozar und Europalia

"Irrenhaus", Francisco de Goya

EUROPALIA ESPAÑA

EUROPALIA feiert in diesem Herbst und Winter seine 30. Ausgabe mit einer groß angelegten spanischen Biennale. Genau 40 Jahre nach der ersten Ausgabe im Jahr 1985 präsentiert EUROPALIA ESPAÑA bis zum 1. Februar 2026 ein multidisziplinäres Programm, das Kulturerbe und zeitgenössische Kunstformen vereint und spannende Perspektiven auf Themen bietet, die verbinden und herausfordern. Mit Francisco de Goya als Blickfang und Inspiration beleuchtet das Festival den kulturellen Reichtum Spaniens anhand von bildender Kunst, Theater, Tanz, Musik, Performance, Film und Literatur. EUROPALIA ESPAÑA umfasst insgesamt rund 150 Veranstaltungen und mehr als 120 Künstler, verteilt über ganz Belgien.

Luz y sombra. Goya und der spanische Realismus, noch bis zum 11. Januar 2026, Bozar - Palast für Schöne Künste, Ravensteinstraat 23, 1000 Brüssel, Info: Bozar.be oder Europalia.eu

"Monster", Francisco de Goya

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