In seinem langen Künstlerleben schuf der surrealistische Brüsseler Maler René Magritte nur ein einziges politisch gefärbtes Werk. Es handelt sich dabei um ein Plakat, auf dem er sich in den 1930er Jahren über Léon Degrelle von der faschistischen Bewegung Rex lustig macht. Eines der beiden letzten noch existierenden Plakate, auf dem die Zeichnung zu sehen ist, kommt nächste Woche im Auktionshaus Arenberg Auctions unter den Hammer, wie die Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ schreibt.
Magrittes einzige politische Karikatur wird versteigert: „Heute wieder aktuell“
Für den Kontext des Plakats müssen wir ins Jahr 1933 zurückgehen, das Jahr, in dem Adolf Hitler als Reichskanzler Deutschlands an die Macht kam. Dies inspirierte den damals jungen Journalisten und Schriftsteller Léon Degrelle zur Gründung der „Front populaire de Rex“. Anfangs war diese Bewegung eine nationalistische und katholische Partei, doch nach und nach nahm sie faschistische Züge an.
Die Besorgnis über die faschistischen Ideen der Partei führte zum Widerstand belgischer Künstler und Intellektueller. Damals wurde Magritte von ihnen angesprochen und entwarf die Karikatur für dieses Plakat.
„Wahres Gesicht“
Das Ergebnis zeigt „das wahre Gesicht von Rex“, wobei Degrelle Hitler als Spiegelbild hat. „Die leuchtenden Farben Rot und Schwarz wurden auf verschiedene Weise angewendet: Lichtmodellierung der Gesichter, Schattierung der Kleidung, breite Streifen für den Hintergrund und flache Farbtöne“, erklärte Experte Henri Godts von Arenberg Auctions gegenüber BRUZZ: „Eine Vielfalt, die vor allem die Emotionen zeigt, mit denen Magritte dieses Plakat komponiert hat. Inhaltlich könnte sich dieses Poster in diesen turbulenten Zeiten wieder als aktuell erweisen…”
Repressalien
Ursprünglich war das Plakat auf das Jahr 1937 oder 1939 datiert. Weitere Untersuchungen ergaben jedoch, dass es bereits 1936 in der Presse diskutiert wurde. Es wurden sogar Briefmarken mit dem Motiv gedruckt. Nach dem Einmarsch der Deutschen im Jahr 1940 wurde der Plakatbestand aus Angst vor Repressalien durch die Besatzer zerstört. Magritte hielt sich danach weit von der Politik fern.
Zwei Exemplare des Plakats blieben schließlich erhalten. Eines wird seit vielen Jahren im Archiv der Stadt Brüssel aufbewahrt. Das andere war jahrelang im Besitz einer Familie, die sich damals in den Kreisen des Widerstands befand. Dieses Exemplar wird bei den Auktionen vom 16. und 17. Oktober versteigert. Der Verkaufswert wird auf 2.500 € geschätzt. Arenberg Auctions vermutet, dass das Plakat auf großes Interesse stoßen kann.
