Immer mehr Landwirte und landwirtschaftliche Unternehmen setzen auch im belgischen Bundesland Flandern auf die nicht kehrende Landwirtschaft (NKL). Das landwirtschaftliche Forschungs- und Beratungszentrum Inagro in der Provinz Westflandern erklärt, warum diese Form der Landwirtschaft immer wichtiger bzw. interessanter wird und stellt fest, dass stets mehr Landwirte den Schritt dahin gehen. Ziel ist, Erosion zu reduzieren, Humus aufzubauen und die natürlichen Ökosystemleistungen zu fördern, um Erträge langfristig zu sichern.
Nicht kehrende Bodenbearbeitung in der Landwirtschaft in Westflandern auf dem Vormarsch
Bei nicht lehrender Landwirtschaft wird der Boden nicht mehr tief umgepflügt, sondern nur oberflächlich bearbeitet. So bleibt die Bodenstruktur beibehalten und das Leben im Boden wird beständiger. „Das Resultat ist ein robusterer Boden, der besser gegen Trockenheit und Starkregen gewappnet ist. Organisches Material bleibt an der Oberfläche liegen und wirkt wie ein Schwamm. Hierdurch infliltriert das Wasser besser und die Erosion wird verringert. Auch unter trockenen Umständen hält dieser Schwamm Wasser besser fest, so Zoë Borry, Beraterin für Boden und Düngung bei Inagro gegenüber Mediaplanet, dem Infomagazin der flämischen Tageszeitung De Morgen: „Überdies ist die obere Bodenlage viel fruchtbarer.“
Laut Borry bietet die NKL sowohl lang-, als auch kurzfristig viele Vorteile: „Landwirte, die den Übergang wagen, können sofort Kraftstoff (bei ihren landwirtschaftlichen Fahrzeugen, Red.) und Zeit sparen, besonders, wenn sie auf Poldern arbeiten. Dies ist aus dem Projekt PolderOntploegd (ein Projekt des „Flämischen Ruralen Netzwerks“ (Vlaams Ruraal Netwerk), Red) ersichtlich.“ Hieraus wurde deutlich, dass die nicht kehrende Landwirtschaft Kohlenstoff besser erfasst, den Schadstoffausstoß verringert und die Biodiversität in den oberen Bodenschichten vergrößert.
Neue Techniken, neue Denkweisen
Generationenlang war eine tiefe und intensive Bearbeitung des agrarischen Bodens auch in Flandern bzw. in Westflandern selbstverständlich, doch das ändert sich gerade, wie man bei Inagro feststellt. Das hat seinen Grund, wie die Fachleute dort feststellen können. Das Frühjahr und der Herbst sind landwirtschaftliche Jahreszeiten, die heute klimatisch nicht mehr wirklich und genau vorausgesagt werden können und das Ausbleiben von Frost sorgt dafür, dass das Pflügen nicht mehr so effizient ist, wie früher.
Guillaume Provost, Erosionsberater bei Inagro sagte dazu, dass sich junge Landwirte heute nach Alternativen umsehen und dass dies eine Mentalitätsänderung und eine Technikanpassung mit sich bringe. Provost gibt Ratschläge: „So wenig wie möglich pflügen und kreativ und zielgerichtet mit Maschinen und Zeit umgehen.“ Immer öfter würden Landwirte in Westflandern vom Pflügen auf andere Techniken übergehen, z.B. mit Präzisionskultivierung der Böden und mit Mulchfräsen, womit der Boden nicht mehr tief umgegraben werde.
Was macht Inagro?
Um auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben, sind Innovation und technischer Fortschritt für den Agrarsektor von entscheidender Bedeutung. Inagro hat seit vielen Jahren den Ehrgeiz, dazu beizutragen. Der Agrar- und Gartenbausektor kann auf die langjährige Expertise des landwirtschaftlichen Forschungs- und Beratungszentrums Inagro in der praxisorientierten Forschung zählen. Das Zentrum führt jedes Jahr mehr als 400 verschiedene Tests und Untersuchungen durch. Dies bietet die Grundlage für eine unabhängige Beratung.
Inagro lässt die Landwirtschaft an seinem gesammelten Wissen über verschiedene Online- und Offline-Kanäle teilhaben und bezieht diese sowie andere relevante Interessengruppen in die Prozesse mit ein. Eine „Speerspitze“ dabei ist die schnelle, direkte und zugängliche Kommunikation mit Landwirten, Gartenbauern und Interessenvertretern. Inagro bietet auch (individuelle) Beratung, einschließlich Unternehmensberatung, Lernnetzwerke, Scans und Audits an. Durch Analysen und Diagnosen wird Landwirten geholfen, zeitliche Abweichungen zu erkennen und gesetzlichen Verpflichtungen nachzukommen.
