Mehr als ein Viertel der Menschen in Belgien, die bis zur Pensionierung krankgeschrieben sind oder für arbeitsunfähig erklärt wurden, verloren nach einer Prüfung ihres Falles ihre Leistungen. Dies geht aus einer Stichprobe des Landesinstituts für Kranken- und Invalidenversicherung (LIKV) vom Jahresende 2024 hervor. Die flämische Tageszeitung Het Laatste Nieuws und VRT NWS hatten Einblick in das interne Dokument. Bundesgesundheitsminister Frank Vandenbroucke (Vooruit) kündigte weitere Kontrollen an.
In Belgien wurden Langzeitkranke überprüft: Viele sind unberechtigt krankgeschrieben
Ende 2024 wurden Kontrollen bei Belgiern durchgeführt, die bis zu ihrer Pensionierung für arbeitsunfähig erklärt wurden. Das betraf insgesamt 260.000 Personen. Bei Betroffenen mit schweren, irreversiblen Erkrankungen wie Krebs oder Parkinson wurde die Krankschreibung nach der Überprüfung so gut wie immer bestätigt.
In der Gruppe Personen, die bis zur Pensionierung mit einer weniger schwerwiegenden Erkrankung zu Hause bleibt, wurden die Leistungen eingestellt. Das war bei mehr als der Hälfte der Betroffenen der Fall. In einigen Fällen wurden die Zahlungen von Krankengeld gekürzt.
Bei der zweiten Gruppe, die dahingehend überprüft wurde, handelte es sich um Menschen unter 40 Jahren mit einer psychischen Störung, die seit mehr als 2 Jahren für arbeitsunfähig erklärt waren und nicht wieder arbeiten wollten. Auch in diesem Bereich wurde die Zahlung von Sozialleistungen bei fast einem Viertel der Betroffenen gestoppt. Bei einem weiteren Viertel dieser Personen wurden die Leistungen gekürzt.
Auch die Krankenkassen sind gefragt
Gesundheitsminister Vandenbroucke von den flämischen Sozialisten Vooruit, hat bereits angekündigt, dass er Langzeitkranke deutlich häufiger untersuchen lassen möchte. Die Kontrollen sollen bereits ab dem 1. November beginnen.
Neben diesen zusätzlichen Kontrollen will die belgische Regierung die Zahl der Langzeitkranken auch über anderen Maßnahmen verringern. Neue Regierungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind bereits beschlossene Sache. Nicht zuletzt sind auch die Krankenkassen gefragt. Deren Finanzierung soll in Zukunft auch davon abhängen, wie erfolgreich die Kassen bei der Wiedereigliederung von Langzeitkranken in den Arbeitsmarkt sind.
