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Ab dem 1. Oktober wird der Kernreaktor Tihange 1 nach 50 Jahren Stromerzeugung abgeschaltet

Der Reaktor am Ufer der Maas durfte bis Oktober 2025 am Netz bleiben, auch wenn er bereits 50 Jahre Strom erzeugte. Am späten Abend des 30. September wird aber der Stecker für Tihange 1 im gleichnamigen AKW (Foto) gezogen. Dieser Meiler ist der vierte belgische Kernreaktor, der vom Netz genommen wird, nachdem zuvor Doel 3, Tihange 2 und Doel 1 abgeschaltet wurden. Die beiden verbleibenden Reaktoren - Doel 4 und Tihange 3 - könnten aber 10 Jahre länger am Netz bleiben und zwar bis 2035.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Der Bau des ersten kommerziellen Reaktors in Belgien in der Nähe von Huy in der Provinz Lüttich begann 1969. Strom wurde erstmals 1975 erzeugt. Normalerweise sollte der Reaktor - der zur Hälfte Engie und zur anderen Hälfte EDF Belgium gehörte - bereits 2015 heruntergefahren werden, aus Gründen der Versorgungssicherheit blieb er jedoch bis 2025 aktiv. Aus Angst vor Stromausfällen beschloss die Regierung Di Rupo im Jahr 2012 weitere 10 Jahre Laufzeit einzuplanen. Ende 2014 wurde auch Laufzeit für die beiden anderen „alten“ Reaktoren - Doel 1 und Doel 2 bei Antwerpen - von der Regierung Michel hastig um 10 Jahre verlängert.

Heute hat Tihange 1 noch eine Leistung von 962 Megawatt Strom. Wenn es von der Regierung De Wever und von Bundesenergieminister Mathieu Bihet (MR) abhängt, wird es auch eine zweite Lebensverlängerung für Tihange 1 geben, vorzugsweise um weitere 10 Jahre. Es bestehen jedoch viele Zweifel in Sachen Technik und Sicherheit, ob eine Verlängerung wirklich noch realistisch ist.

Blick ins Innenleben des Kernkraftwerks Tihange

Technisch noch möglich?

Ab diesem Dienstagabend beginnt die Phase der Reaktorabschaltung am Meiler Tihange 1. Das ist nur die Vorbereitung auf den eigentlichen Abbau. Der Reaktor wird „entladen“, der Brennstoff gekühlt und zur späteren Zwischenlagerung abtransportiert. Anschließend erfolgt die chemische Reinigung des sogenannten Primärkreislaufs, des geschlossenen Kreislaufs, in dem Wasser durch die bei der Kernspaltung freigesetzte Energie erhitzt wird. Der Verlauf all dieser Arbeiten wird Jahre dauern. Die endgültige Stilllegungsphase steht erst im Jahr 2028 auf dem Kalender und diese wird mit Sicherheit bis 2040 dauern. Anschließend beginnt u.a. der Rückbau der Reaktorwanne.

Theoretisch kann Tihange 1 noch bis 2028 wieder ans Netz werden, in der Praxis wird dies jedoch sehr schwierig. So will Engie beispielsweise im nächsten Jahr den ersten der drei riesigen Kühlturme des AKW abreißen. Engie begründet dies damit, dass man Platz brauche, um auch den zweiten Kernreaktor des Kraftwerks abbauen zu können. Dieser Reaktor, Tihange 2, wurde Anfang 2023 abgeschaltet. Der Abbau erfordert jedoch zusätzliche Installationen und Lagereinrichtungen. Daher sollte der Kühlturm von Tihange 2 so schnell wie möglich entfernt werden.

Wir werden Tihange 1 definitiv schließen“

Rikkert Wyckmans, Betriebsleiter des Kernkraftwerks Tihange

Die belgische Regierung fordert jedoch, vorerst keine unwiderruflichen Arbeiten durchzuführen. Energieminister Mathieu Bihet betont: „Wir sprechen derzeit mit den beiden Eigentümern EDF und Engie.“ Das französische Staatsunternehmen EDF besitzt die Hälfte des Kernreaktors Tihange 1.

Was die Gespräche beinhalten, bleibt Bihet bleibt zurückhaltend. Bei Engie hält man sich viel weniger zurück: Der Kraftwerksbetreiber hat wiederholt erklärt, dass man Interesse mehr am Betrieb von Kernkraftwerken zusätzlich zu Doel 4 und Tihange 3 hat. Rikkert Wyckmans, Betriebsleiter des Kernkraftwerks Tihange, unterstrich dies jetzt noch einmal: „Auf dem Tisch liegt einerseits die Verlängerung der Laufzeit von Doel 4 und Tihange 3 und andererseits die Abschaltung aller anderen Reaktoren in Belgien, einschließlich Tihange 1. Wir werden Tihange 1 definitiv schließen.“

Laut Wyckmans dauert die ordnungsgemäße Vorbereitung einer Laufzeitverlängerung fünf Jahre und es gibt dafür keine gesetzliche Regelung. „Das Projekt ist zudem viel zu teuer und für uns nicht realisierbar“, fügt er hinzu, „und es wird auch Platz für den Rückbau der verschiedenen Anlagen benötigt.“ Zudem stellt sich die Frage, ob im Stromnetz für die Energieleistung von Tihange 1 noch Platz ist, da in der Region gerade zwei neue Gaskraftwerke gebaut werden. Wenn der Reaktor länger in Betrieb bleibt, bestehe die Gefahr einer Übersättigung des Netzes.

Der Bau von Tihange 1

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