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Belgien: Die Kammer gibt ein seit 1945 „verschwundenes" Gemälde an Deutschland zurück

Am Dienstag hat die Abgeordnetenkammer im belgischen Bundesparlament ein Gemälde des deutschen Malers Friedrich Nerly offiziell an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz übertragen. Es handelt sich um ein Gemälde, das sich während des Zweiten Weltkriegs in der deutschen Botschaft in Brüssel befand und das nach dem Krieg im belgischen Parlament landete.

Andreas Kockartz Belga
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Nach seiner Überführung nach Deutschland wird dieses das Werk in die Sammlung Alte Nationalgalerie in Berlin aufgenommen. Der Ursprung dieser Geschichte liegt in einer Entdeckung von Sophie Wittemans, Kuratorin der Kunstsammlung in der Kammer: „Ich ging regelmäßig an dem Gemälde vorbei und fragte mich, warum wir ein Gemälde mit einer Ansicht von Venedig haben. Das ist ungewöhnlich, die meisten Kunstwerke im Haus haben belgische Motive.“

Sie erfuhr, dass das Gemälde „Basilica SS. Giovanni e Paolo in Venedig“ von Friedrich Nerly in der Zeit von 1954 bis 1960 während des Vorsitzes des Sozialisten Camille Huysmans im Plenarsaal der Kammer landete. Friedrich Nerly lebte von 1807 bis 1878. Das Gemälde „Basilica SS. Giovanni e Paolo in Venedig“ (1849, Öl auf Leinwand, 109 x 173 Zentimeter) ist eine seiner bedeutendsten Kompositionen. Die Kirche steht im Mittelpunkt des Gemäldes und ist eine gotische Basilika.

Ausgeliehen und „verschwunden“

Deutsche Wissenschaftler bestätigten, dass Nerlys Gemälde „Basilica SS. Giovanni e Paolo in Venedig“ seit 1945 als „verschwunden“ registriert ist und dass es sich dabei um das Werk handelt, das bis jetzt in der Kammer hing. Zuletzt wurde es 1934 in der Alten Nationalgalerie in Berlin inventarisiert, 1936 an die deutsche Botschaft in Brüssel ausgeliehen und dann „verschwand“ es spurlos. Das Gemälde gelangte über den damaligen Sequester in die Kammer, einen Beamter, der während und nach dem Zweiten Weltkrieg gestohlene oder zurückgehaltene Kunst verwaltete.

Kammerpräsident Peter De Roover (N-VA) und Gero Dimter, stellvertretender Vorsitzender der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, unterzeichneten den offiziellen Transfer am Dienstagnachmittag im Rahmen einer Zeremonie im Parlament, an der auch der deutsche Botschafter in Belgien, Martin Kotthaus, teilnahm.

Einzigartiger Fund

Gero Dimter ist überglücklich: „Die Geschichte hinter diesem Fund ist fantastisch. Anfangs konnte ich es kaum glauben, denn es geht meist um von den Nazis geplünderte oder geraubte Kunstwerke, die wir zurückgeben müssen. Aber diese Geschichte ist einzigartig. Kunst ist nicht nur Opfer von Konflikten, Krisen und Kriegen, sondern kann auch zum Symbol echter Verbundenheit werden, in diesem Sinne zum Symbol der Freundschaft zwischen dem belgischen Parlament und unserer Institution.“

Rechtlich gesehen war Belgien nicht dazu verpflichtet, das Gemälde zurückzugeben, doch es herrschte rasch allgemeiner Konsens darüber, es an den ursprünglichen Eigentümer, die Alte Nationalgalerie in der deutschen Hauptstadt, zurückzugeben. „Es ist eine Ehre und eine Freude, es nach Hause zurückkehren zu sehen“, sagte Kammerpräsident De Roover. Nach dem Transport von Brüssel nach Berlin, einer Überprüfung und ggf. Restaurierung des Werkes wird das Gemälde von Nerly ab Frühjahr 2026 in Berlin ausgestellt.

Gemeinsame Geschichte

Der deutsche Botschafter in Belgien, Martin Kotthaus, betont den symbolischen Wert dieser Rückkehr: „Belgien und Deutschland haben eine turbulente Geschichte mit zwei Invasionen und schweren Kriegsschäden, darunter der Deportation von mehr als 25.000 Juden während des Zweiten Weltkriegs. Dennoch sind beide Länder heute enge Verbündete in der EU, der NATO und den Vereinten Nationen, wirtschaftlich miteinander verflochten und durch die deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien verbunden. Diese Geste der belgischen Kammer ist ein starkes Symbol in dem Jahr, in dem wir uns an den 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs erinnern. "

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