Vor dem Strafgericht von Oudenaarde hat ein Prozess in einem besonders schweren Fall von Kindesmissbrauch begonnen. Bei dem Angeklagten handelt es sich um einen 40-jährigen Mann, der als Betreuer in einer Grundschule und einem Kindergarten in Geraardsbergen arbeitete.
Schwerer Kindermissbrauch: Staatsanwaltschaft fordert Höchststrafe von 20 Jahren Haft für Kindergärtner
Dort soll er mindestens 16 Jungen im Alter zwischen 2,5 und fünf Jahren sexuell missbraucht haben. Da es sich um schwere Straftaten, viele Opfer und einen langen Zeitraum des Missbrauchs handelt, sprechen Anwälte von „einem der schlimmsten Sexualdelikte, die es jemals in unserem Land gegeben hat”.
Der Angeklagte wird der Vergewaltigung beschuldigt, wobei erschwerende Umstände vorliegen, da er die Aufsicht über die Opfer hatte und diese jünger als 10 Jahre waren. Zudem muss er sich wegen Besitzes und der Verbreitung von Bildern sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen vor Gericht verantworten.
Die Staatsanwaltschaft fordert 20 Jahre Haft - das ist die Höchststrafe - sowie ein Berufs- und Kontaktverbot. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft bagatellisiert der Angeklagte seine Rolle.
Europol
Der Fall kam ans Licht, als Ermittler in den USA ein Video von Kindesmissbrauch in einer Schule sahen. Über die europäische Polizeibehörde Europol konnte die Polizei Anfang letzten Jahres die Identität des Täters ermitteln.
Laut einer Anwältin zeigt das Beweismaterial, dass der ehemalige Kindergärtner mindestens seit 2008 Straftaten begangen hat. Der Missbrauch an der Schule in Geraardsbergen fand zwischen 2020 und 2024 statt. Möglicherweise gibt es weitere Opfer, aber für Straftaten im Zeitraum zwischen 2008 und 2020 gibt es keine Beweise.
In dem Fall gibt es mehr als 30 Zivilparteien. Viele Eltern der Opfer waren heute im Gerichtssaal anwesend. Da es sich um schwere Straftaten handelt, mit vielen Opfern, findet der Prozess hinter verschlossenen Türen statt. Das Urteil soll am 3. Oktober verkündet werden.
„Missbrauch der Schwächsten“
Rechtsanwalt Kris Luyckx (Foto, Bildmitte) vertritt Child Focus im Namen der Opfer, die während der Ermittlungen nicht identifiziert wurden.
„Es ist ganz klar, dass der Angeklagte nicht nur als Kindergärtner, sondern auch als Sonderpädagoge die schwächsten Kinder missbraucht hat“, sagt er.
Auch Luyckx spricht von sehr schweren Tatbeständen und betont, dass es sich um jemanden handelt, der selbst viele Bilder von Missbrauch gemacht und mit anderen im Darkweb geteilt hat.
„Eine angemessene Freiheitsstrafe ist sicherlich angebracht. Aber bei Child Focus denken wir auch an die Zukunft. Wir müssen dafür sorgen, dass solche Zeitbomben entschärft werden und dass innerhalb des Gefängnisses an einer Therapie gearbeitet wird.”
