Immer mehr Menschen nutzen das Fahrrad, um zur Arbeit zu kommen, und lassen sich dafür auch von ihrem Arbeitgeber Fahrtkosten erstatten. Das geht aus einer neuen Studie hervor, die der Personaldienstleister SD Worx anlässlich der jetzigen Mobilitätswoche veröffentlicht hat.
Mit dem Rad zur Arbeit vor allem in Flandern immer beliebter: Arbeitgeber zahlt Radkilometer
Demnach hat die Zahl der radelnden Arbeitnehmer im ersten Halbjahr 2025 weiter zugenommen. Im Vergleich zum Jahr 2019 hat sie sich sogar verdoppelt.
Der Personaldienstleister hebt auch hervor, dass mittlerweile jeder dritte Arbeitgeber Fahrtkosten erstattet für Menschen, die das Rad benutzen. Vor sechs Jahren habe das nur einer von sechs Arbeitgebern angeboten. Im Schnitt erhalten Arbeitnehmer dadurch pro Jahr eine Fahrtkostenerstattung von 350 Euro.
Besonders beliebt ist diese Regelung laut der Studie in Flandern: Hier bieten 40 Prozent der Arbeitgeber eine entsprechende Entschädigung an und 20 Prozent der Arbeitnehmer nehmen das in Anspruch. In Brüssel und vor allem in der Wallonie liegen diese Zahlen viel niedriger.
Nicht nur im Sommer
Wie SD Worx weiter mitteilt, erfreut sich das Fahrrad traditionell vor allem in den Sommermonaten Juli, August und September großer Beliebtheit, um zum Arbeitsplatz zu kommen. Aber auch die Zahl der Arbeitnehmer, die sich früher im Jahr auf den Drahtesel schwinge, habe deutlich zugelegt, so der Personaldienstleister weiter.
Dieses Verhalten sei aber naturgemäß von den Wetterbedingungen abhängig. Im Mai dieses Jahres habe etwa einer von sieben befragten Arbeitnehmern das Fahrrad genommen, im Mai 2019 sei es nur einer von 14 gewesen. Im März hätten sich ebenfalls 13 Prozent für das Zweirad entschieden. Das sei ein beeindruckender Anteil, die im Jahr davor noch nicht einmal in den Sommermonaten erreicht worden sei, unterstreicht SD Worx. (Quelle: BRF)
Flanderns Mobilitätsministerin sehr zufrieden, lehnt Helmpflicht aber ab
„Die besten Zahlen, die wir je gesehen haben“, lobt die flämische Landesministerin für Mobilität Annick De Ridder (N-VA, Foto unten) die neuen Zahlen zum Fahrradgebrauch. Dennoch sind die Ziele für 2040 noch weit entfernt. Es wird eine Reihe von Maßnahmen vorbereitet, die noch mehr Flamen aufs Fahrrad bringen sollen, aber eine Fahrradhelmpflicht gehört nicht dazu.
Flandern strebt bis 2040 einen Anteil von 30 Prozent Fahrradfahrten im gesamten Verkehrsaufkommen an. Derzeit erreicht noch keine flämische Region diese Zahlen.
Deshalb stellt Flandern laut De Ridder unter anderem „historisch hohe“ 300 Millionen Euro pro Jahr für sicherere Radwege bereit. Außerdem wird der Fahrradfonds für die Provinzen von 15 auf 25 Millionen Euro aufgestockt.
Das Radfahren in Flandern wird auch immer sicherer. Die Zahl der Unfälle steigt zwar weiterhin leicht an, jedoch weniger stark als die Zahl der Radfahrer. Dennoch haben viele Flamen weiterhin das Gefühl, dass Radfahren unsicher ist.
„Je mehr wir in Radwege investieren, die vom restlichen Straßenverkehr getrennt sind, desto besser natürlich für die Sicherheit. Auch darauf setzen wir voll und ganz, ebenso wie auf die Verbesserung der Sicherheit an Kreuzungen und die Beseitigung von Unfallschwerpunkten”, so die Landesministerin.
Und die Fahrradhelmpflicht, wie sie beispielsweise Notärzte fordern? Davon hält Ministerin De Ridder weniger. „Wir befürchten, dass bei einer Helmplicht viele sich statt für das Rad wieder für das Auto entscheiden.“
„Ich bin absolut für eine sehr, sehr intensive Sensibilisierung mit Bildern (von dem, was passieren kann, wenn man keinen Fahrradhelm trägt, Anm. d. Red.). Ich benutze selbst auch einen Fahrradhelm, um das klarzustellen.“
„Man muss versuchen, die Menschen vom Mehrwert des Helms zu überzeugen. Aber Vorschriften zu erlassen und zu verpflichten, kann den gegenteiligen Effekt haben.“
