Mitarbeiter von Pflegeheimen und mindestens einem Krankenhaus, dem ZAS Middelheim in Antwerpen, nehmen Geld von Bestattungsunternehmern an, damit diese die Verstorbenen abholen dürfen. Das geht aus Recherchen des Verbrauchermagazins WinWin auf VRT1 hervor. In bestimmten Fällen sollen bis zu 250 Euro pro Leichnam bezahlt worden sein.
Aus den Zeugenaussagen geht hervor, dass Einrichtungen häufig mit sogenannten ‚festen‘ Bestattern zusammenarbeiten, ohne den Angehörigen ein Mitspracherecht zu geben. In manchen Fällen wurde die Familie erst im Nachhinein informiert, während der Leichnam bereits überführt worden war.
Nach dem Gesetz entscheidet jedoch die Familie, wer den Leichnam eines Verstorbenen abholen darf. Jede andere Praxis – etwa das automatische Einschalten eines ‚festen‘ Bestatters – verstößt gegen das Gesetz. Nur wenn die Familie unauffindbar ist oder ein Risiko für die öffentliche Gesundheit besteht, darf davon abgewichen werden.
Laut Insidern gehen diese Abmachungen nicht nur mit Geschenken, sondern oft auch mit Bargeld einher. Es kursieren Berichte von bis zu 250 Euro pro Leichnam.
„Es wäre heuchlerisch zu behaupten, dass solche Abmachungen nicht existieren“, sagt Johan Dexters, Vorsitzender des Berufsverbands Funebra. „In bestimmten Regionen ist das sogar ein hartnäckiges Problem. Der eine Bestatter bringt jeden Sonntag Brötchen ins Heim, der andere gibt Geld.“
Der eine Bestatter bringt jeden Sonntag Brötchen ins Heim, der andere gibt Geld
Johan Dexters, Vorsitzender Berufsverband Funebra
Kann der Berufsverband nicht einschreiten? „Das würde ich gerne tun, aber als Verband haben wir kaum Mittel“, sagt Dexters. „Bestatter haben beispielsweise keine Zulassungsnummer, die wir ihnen entziehen könnten, wenn sie zu weit gehen. Wir können sie höchstens ermahnen.“
Darum ist Dexters froh, dass dieser Missbrauch thematisiert wird: „Für einen Leichnam zu bezahlen, ist absolut inakzeptabel. Der Beruf muss dringend anerkannt und geregelt werden. Das ist ein dringender Appell an die flämische Regierung, hier tätig zu werden. Denn das ist geschmacklos.“
Schnelle Anerkennung
Flanderns Innenministerin Hilde Crevits (CD&V, flämische Christdemokraten), zuständig auch für Bestattungswesen und Friedhöfe, kündigt als Reaktion auf die Enthüllungen eine rasche Regulierung des Berufs des Bestatters an.
„Diese Praxis ist abscheulich und verwerflich“, sagt die Ministerin. „Wenn jemand stirbt, möchte man von jemandem begleitet werden, den man kennt. Es ist verboten und unverantwortlich, dass man nicht selbst wählen darf, wer die Beerdigung organisiert.“
„Jährlich gibt es in unserem Land 110.000 Beerdigungen, davon 65.000 in Flandern. Es kann doch nicht sein, dass ein so wichtiger Sektor nicht geregelt ist. Ich will, dass dieser Beruf anerkannt wird – und ja, das kann schnell gehen“, betont die Ministerin.
