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Vom Ausbildungsort zum Kulturerbe: Einzigartiger deutscher Schießstand in Lokeren öffnet erstmals die Türen

1941 ließen die deutsche Besatzern in Lokeren (Provinz Ostflandern) am Molsbergen einen beeindruckenden Schießstand errichten - den sogenannten Siebels. 85 Jahre später steht das geheimnisvolle Gebäude immer noch dort. Ein solcher Schießstand ist einzigartig in Belgien und kommt in dieser Form sonst nur noch in Deutschland und Polen vor. Der Schießstand ist nicht denkmalgeschützt und befindet sich auf einem Privatgrundstück, aber am Tag des offenen Denkmals in Flandern kann man ihn dieses Wochenende zum ersten Mal besichtigen. 

Andreas Kockartz
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Laut der Vorsitzenden des lokalen Heimatvereins „De Souvereinen“, Jacqueline Baetens, ist es fast ein Wunder, dass der Schießstand noch da ist: „Das Gebäude wurde nie unter Denkmalschutz gestellt und läuft seit 80 Jahren Gefahr, abgerissen zu werden. Es ist etwas Besondere, dass wir den Besuchern jetzt alles zeigen können.“

Der Schießstand wurde im Zweiten Weltkrieg auf Befehl der deutschen Besatzer aus Ziegeln gebaut. Soldaten und Offiziere übten mit Pistolen und Gewehren. Zwei Deiche - einer von 25 Metern Höhe und einer von 250 Metern Höhe - mussten die Kugeln auffangen. Diese Deiche wurden allerdings kurz nach dem Krieg abgetragen.

„Die Deutschen mussten dort schießen lernen“, erzählte Baetens gegenüber VRT NWS: „Der Legende nach wurden von dort aus ausgebildete Soldaten an die Ostfront geschickt. Das konnten wir auf Papier nicht bestätigen, aber es muss weitgehend der Fall gewesen sein. Untersuchungen des Staatsarchivs zeigen, dass die Bauarbeiten mit dem Bau des ‚Lagers Lokeren‘ zusammenfielen, in dem während des Krieges angeblich britische Kriegsgefangene untergebracht waren. Nach 1945 wurden hier Kollaborateure eingesperrt.

Ausstellung und Erfahrungsberichte

„De Souvereinen“ organisieren am Kulturerbetag Führungen am und im Schießstand am Molsbergen in Lokeren. Im Inneren ist ein kleiner Raum erhalten geblieben, von dem aus damals die Schießscheiben bedient wurden. Dort wird ein Kurzfilmfragment mit Bildern eines ähnlichen Schießstandes in Polen gezeigt. „Wir zeigen auch, wie sich das Gebäude im Laufe der Jahre verändert hat, von einem kargen Militärgebäude zu einer von Efeu überwucherten Konstruktion“, so Baetens: „Dank Drohnenfotos kann man das sehr gut erkennen.“

Ein ehemaliger Eigentümer nutzte das Gebäude als Lagerhaus. Laut Baetens ist der derzeitige Eigentümer auf das Kulturerbe bedacht: „Er hat Nebengebäude abgerissen und will den Schießstand erhalten. Er träumt davon, ihm eine neue Funktion zu geben, zum Beispiel touristisch. Aber das ist noch Zukunftsmusik. "

Da sich der Schießstand auf einem Privatgrundstück befindet und nicht geschützt ist, war er bisher schwer zugänglich. Früher war der Zutritt nur ausnahmsweise kleinen Gruppen gestattet, so die Vorsitzende des Heimatvereins: „Jetzt ist er zum ersten Mal wirklich für die breite Öffentlichkeit zugänglich. Vielleicht eine der wenigen Gelegenheiten, ihn zu sehen, denn die Gefahr eines Einsturzes besteht.“

Der deutsche Schießstand von Lokeren kann am Sonntag, den 14. September, während des Tages des offenen Denkmals zwischen 10 und 17 Uhr besichtigt werden. Eine Aktivität vom Heimatverein „De Souvereinen“ in Zusammenarbeit mit der Stadt Lokeren.

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