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Mobilität in Brüssel: Positives Gutachten für die Tram 15 – Noch kein Zug auf der Hafenbahn unterwegs

Seit über einem Jahr nach dem Bau ist noch kein einziger Güterzug über die neugebaute Bahnlinie zwischen dem früheren Güterbahnhof von Schaarbeek und dem Brüsseler Hafen gefahren (Foto oben). Diese Bahnlinie wurde 2024 nach jahrelangem politischen Gerangel eröffnet, doch es tut sich nichts, so die Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ. Derweil wurde für den Bau der neuen Straßenbahnlinie 15 zwischen Belgica und dem Nordbahnhof ein positives Gutachten abgegeben. Doch nicht alle betroffenen Brüsseler Gemeinden stehen hinter dem Projekt, wie BRUZZ meldet. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Die neue Hafenbahn wird seit über einem Jahr noch nicht genutzt

Mehr als ein Jahr nach dem Bau einer brandneuen Eisenbahnstrecke zwischen dem früheren Güterbahnhof Schaerbeek und dem Brüsseler Binnenhafen ist immer noch kein Zug gefahren. Diese neue Bahnverbindung sollte der Schlüssel für die Brüsseler Region und die belgische Bundesregierung werden, mit dem der Verkehr in der Hauptstadt umweltfreundlicher gestaltet werden sollte. Jahrelange tobten rechtliche Konflikte tobten zwischen den Beteiligten, denn die Bundesregierung wollte das Gelände Schaerbeeker Güterbahnhofs ohne Gleise erschließen. Die Region hingegen wollte den Brüsseler Binnenhafen wieder an die nationalen und europäischen Eisenbahnnetze anschließen. Das Kriegsbeil wurde im Herbst 2022 begraben…

Im Frühjahr 2024 wurde eine Baugenehmigung erteilt und Infrabel (der Infrastruktur-Dienstleister der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB) baute eine brandneue, mehrere Kilometer lange Eisenbahnlinie, die wie früher das Eisenbahnnetz mit dem Hafen von Brüssel verbindet. Die Eröffnung der Strecke bietet eigentlich viele Perspektiven, um den Logistiksektor in Brüssel nachhaltiger zu gestalten und um die Zahl der LKW auf den Straßen der Hauptstadt zu verringern. Darüber hinaus entspricht die Maßnahme auch der Verpflichtung gegenüber der EU, die Wasserstraßen und Schiene stärker zu nutzen, um den Güterverkehr auf der Straße im Allgemeinen zu reduzieren.

Parallel dazu erhielt der Logistikkonzern Van Moer eine Konzession für den Betrieb eines neuen Containerterminals, das zwischen 2022 und 2032 den Gütertransport auf dem Brüsseler Kanal und Schiene verdoppeln muss. Der Brüsseler Kanal diente einst als industrielles Bindeglied zwischen den Fabriken im Süden Brüssels und dem Hafen von Antwerpen im Norden. Doch mehr als ein Jahr nach dem Bau fährt immer noch kein Güterzug über die neuen Gleise. 

Ehrgeizige Pläne

Berichten zufolge hatte der Logistikkonzern Van Moer ehrgeizige Pläne, den Transport von AB InBev-Bier von den Brauereien in Löwen (Flämisch-Brabant) und Jupille (Provinz Lüttich) zum Hafen von Brüssel mit Zügen zu ermöglichen, der heute hauptsächlich per LKW erfolgt. Bei Van Moer heißt es dazu, so Unternehmenssprecher Nick Jolley, dass ein Testzug von MPET am Deurganck-Dock, dem größten Containerterminal Europas, geplant ist. Wenn das gut läuft, könnten Containerzüge zwischen Antwerpen und dem Brüsseler Hafen verkehren. Aber es gibt noch keinen konkreten Termin für diese Probefahrt, sagt Jolley.

Van Moer möchte nicht viel zu den Gründen sagen, warum heute noch keine Güterzüge in den Hafen einfahren. Es liegen mehrere Gründe auf der Hand, etwa die Verfügbarkeit von Slots für den Betrieb von Güterzügen, die bei Infrabel beantragt werden müssen, und die noch nicht fertiggestellte Erweiterung des Containerterminals am Monnoyer-Kai im Vorhafen. Dieser soll um 4,2 Hektar ausgebaut werden, was einen Anstieg der Container-Kapazitäten von heute 50.000 auf 120.000 TEU (Standardcontainer) bedeuten würde.

Bei Infrabel bestätigt man, dass Interesse an der Nutzung der Hafenbahn auf besteht. Aus Vertraulichkeitsgründen möchte sich der Bahn-Infrastruktur-Betreiber hierzu allerdings nicht weiter äußern.

Positives Gutachten für die Straßenbahnlinie 15 zwischen Belgica und Noordstation in Brüssel

Die geplante Straßenbahnlinie 15 - von Belgica über die Picardstraat zum Bahnhof Noord - wurde mit einem positiven Gutachten bedacht. Die Stadt Brüssel und Gemeinde Schaerbeek unterstützen das Projekt, genau wie die Hauptstadt-Region. Die Gemeinde Jette enthielt sich der Stimme, während Molenbeek ablehnend reagierte, unter anderem wegen des Verlusts von Parkplätzen und wegen fehlender Absprachen zwischen Regionen und Gemeinden.

Die neue Linie soll Thurn & Taxis über die Picardstraat, die Suzan Danielbrug und die Bolivarlaan besser verbinden. Mit dem Bau der Straßenbahn werden auch die Straßen und der öffentliche Raum entlang der Strecke einer Frischzellenkur unterzogen. Die öffentliche Untersuchung dauerte bis Anfang Juli.

Brüssels regionale (geschäftsführende) Mobilitätsministerin Elke Van den Brandt (Groen, niederländischsprachige Grüne) parierte die Kritik aus Molenbeek und betonte, dass die Tram 15 zu einem reibungsloseren öffentlichen Nahverkehr, zu mehr Verkehrssicherheit - auch rund um Schulen - und zur Begrünung der Picardstraat und der Bolivarlaan führen wird, die zu modernen Stadtboulevards werden sollen. Die Brüsseler Hauptstadt-Region muss jetzt die Genehmigung für den Bau erteilen. Ob die Straßenbahn tatsächlich gebaut wird, bleibt aufgrund der politischen Krise (anderthalb Jahre nach den Wahlen noch keine Koalitionsverhandlungen) und der prekären Haushaltslage der Region vorerst allerdings ungewiss.

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