Belgiens nationale Drogenkommissarin Ine Van Wymersch (Foto) fordert ein Meldezentrum für Wärter und anderes Gefängnispersonal, bei dem diese verdächtige Fälle anonym melden können. Dies sagte die Juristin in der VRT-Magazinsendung „Terzake“ („Zur Sache“) als Reaktion auf eine polizeiliche Razzia in Haftanstalt von Haren bei Brüssel, bei der auch Gefängniswärter festgenommen wurden.
Razzia in Haftanstalt mit verhaftetem Personal: Anonyme Meldestelle für Gefängniswärter gefordert
Die betroffenen Wärter stehen im Verdacht der Mithilfe von Straftaten, denn sie haben möglicherweise Handys in das Gefängnis eingeschmuggelt, damit dortige Insassen ihre kriminellen Geschäfte weiterführen konnten. Offenbar haben Häftlinge Wärter möglicherweise mit viel Geld oder durch Erpressung bestochen.
Drei Personen wurden des Drogenverkaufs und -besitzes, des Verkaufs und Besitzes von Betäubungsmitteln in Verbindung mit der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und der Korruption im öffentlichen Dienst verdächtigt. Gegen sie wurde Haftbefehl erlassen. Eine weitere Person, eine 33-jährige Frau, wurde des illegalen Drogenbesitzes verdächtigt und ohne Auflagen freigelassen.
Offenbar haben festgenommene Wärter bei ersten Verhören gesagt, dass ihnen die Kriminellen Fotos ihrer Kinder oder anderen Familienmitgliedern gezeigt haben, um damit zu drohen, dass man wisse, wer sie sind und wo sie zu finden seien. „Wir müssen das Gefängnispersonal schützen, was durch Personalpolitik möglich ist“, sagt Van Wymersch in Terzake. Es könne aber auch anonyme Meldestellen, in Gefängnissen und auch im Hafen von Antwerpen, wo Arbeiter unter ähnlichem Druck zu Straftaten gebracht werden.
Die Regierung arbeitet an Maßnahmen zur Bekämpfung der Drogenkriminalität in den Gefängnissen sagte Justizministerin Annelies Verlinden (CD&V) in einer Reaktion darauf. Es gebe bereits eine Reihe von Maßnahmen und Testprojekten, aber es müsse noch mehr getan werden, um die Wachen zu schützen, sagte auch die Ministerin.
Der Zentrale Aufsichtsrat des Gefängniswesens in Belgien ist nicht überrascht über die mögliche Korruption im Brüsseler Gefängnis von Haren. Eines der Probleme in Haren sei, dass das Gefängnis zu wenig Personal habe und die Wärter zu wenig geschult würden, so Marc Nève vom Aufsichtsrat.
