In den großen belgischen Bahnhöfen wird es doch keine Zugangssperren geben. Die im Regierungsabkommen angedachte Option ist aufgrund einer „negativen Business Case“ vom Tisch gewischt worden. Das geht aus einer Antwort des Mobilitätsministers Jean-Luc Crucke (frankophone Zentrumspartei, Les Engagés) auf eine schriftliche Anfrage in der Kammer hervor. Derzeit gibt es nur im Bahnhof des Flughafens Brüssel-Zaventem Zugangssperren.
Die Föderalregierung hatte in ihrem Regierungsabkommen erklärt, sie wolle „die Möglichkeit von Zugangssperren für die großen Bahnhöfe“ prüfen, wie etwa Antwerpen-Centraal, die wichtigen Brüsseler Bahnhöfe und Gent-Sint-Pieters. Mit solchen Sperren sollten weniger Fahrgäste ohne gültigen Fahrschein in den Zug einsteigen können. Die Bahngesellschaft NMBS/SNCB sollte diese Möglichkeit evaluieren.
Die NMBS hatte bereits zuvor erklärt, dass solche Sperren in der Praxis wahrscheinlich schwer umsetzbar seien, und die Evaluierung bestätigt dies nun. „Die dafür notwendigen Mittel wären größer als die Vorteile, die die NMBS daraus ziehen könnte – nicht nur kommerziell und finanziell, sondern auch sozial“, fasst Crucke in seiner Antwort auf eine Anfrage der Abgeordneten Dorien Cuylaerts (flämische Nationaldemokraten, N-VA) zusammen.
Laut der Studie liegen die Kosten für die Installation und Wartung der Sperren deutlich höher als die zusätzlichen Einnahmen, die durch weniger Betrugsfälle entstehen würden. „Selbst im besten Szenario decken die geschätzten Einnahmen die notwendigen Investitionen nicht, was zu einer negativen Rendite der Investition führt“, so Crucke.
Darüber hinaus müssten teilweise auch Schalter und Fahrkartenautomaten verlegt werden, und müsste für jeden Bahnhof eine andere Lösung ausgearbeitet werden. Auch die Bahnhofsgeschäfte würden weniger Umsatz machen, weil weniger Menschen vorbeikämen.
