In Brüssel hat ein Richter im Rahmen einer einstweilige Verfügungen einen Sachverständigen ernannt, der den möglichen Betrug bei der Zulassungsprüfung für das Medizinstudium in Flandern, das im Juli stattfand, untersuchen soll. Dies bestätigt Rechtsanwalt Christophe Vangeel, der für 29 Studierende vor Gericht eine einstweilige Verfügung einleitete. Seine Klienten gehen davon aus, dass ihnen durch Betrug mit ChatGPT ein Studienplatz „durch die Lappen gegangen“ ist. Zuvor hatte Flanderns Bildungsministerin Zuhal Demir (N-VA) auf der Grundlage einer von ihr angeordneten Untersuchung mitgeteilt, dass „kein massiver Betrug vorliegt”.
Möglicher Betrug mit ChatGPT beim Zulassungsexamen für das Medizinstudium in Flandern: Richter beauftragt unabhängigen Sachverständigen
„Der Sachverständige muss seinen Bericht innerhalb eines Monats vorlegen. Er soll aber zunächst den von Ministerin Demir veröffentlichten Bericht prüfen und anschließend, falls erforderlich, zusätzliche Untersuchungen durchführen”, sagt der Anwalt. „Möglicherweise liegt der Sachverständigenbericht also schneller vor. Die von Bildungsministerin Demir in Auftrag gegebene Untersuchung lässt noch viele Fragen offen”, so Rechtsanwalt Christophe Vangeel. Er vertritt die 29 Studenten, die wegen möglichen Betrugs bei der Zulassungsprüfung vor Gericht gezogen sind.
„Keine Anzeichen für groß angelegten Betrug”
In den letzten Wochen gab es viel Aufregung um den möglichen Betrug mit ChatGPT bei der Zulassungsprüfung für Medizin. Letzte Woche war bekannt geworden, dass es Verdachtsmomente gibt, dass bei dem Zulassungsexamen Anfang Juli unter anderem mit Künstlicher Intelligenz (KI), spezifisch verbotenerweise mit ChatGPT betrogen wurde. Die Erfolgsquote war in diesem Jahr außergewöhnlich hoch, weshalb einige Kandidaten ihre Kommilitonen verdächtigen, Hilfe im Internet genutzt zu haben.
105 mögliche Betrüger
Aus den Datenanalysen der Prüfungen, die von verschiedenen externen Partnern durchgeführt wurden, geht hervor, dass „keine Anzeichen für einen groß angelegten Betrug vorliegen”. So steht es im Bericht der Prüfungskommission. Das hat das Gericht jedoch nicht davon abgehalten, dennoch einen Sachverständigen zu bestellen. Bei 105 von 1.741 Teilnehmern wurde nach der betreffenden Prüfung im Juli möglicher Betrug mit ChatGPT festgestellt.
