Polizeibeamte können künftig direkt und in Echtzeit die Kameraaufnahmen der belgischen Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB einsehen, die in Bahnhöfen und Bahnhofsumgebungen installiert sind. Die föderale Regierung und die Bahn haben dazu eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Dies gaben Innenminister Bernard Quintin (MR), Mobilitätsminister Jean-Luc Crucke (Les Engagés) und Bahnchefin Sophie Dutordoir bekannt.
Belgiens Polizei kann künftig Kameraaufnahmen in Bahnhofsnähe in Realtime einsehen
Bislang konnten die Polizeibehörden die Bilder der NMBS-Kameras nur nachträglich abrufen, beispielsweise nach einem Vorfall. Zahlreiche Bürgermeister und die Bahn selbst hatten bereits seit längerem darum gebeten, die Bilder in Echtzeit einsehen zu können, damit die Polizei schneller auf Störungen oder Straftaten in Bahnhöfen oder in deren direkter Umgebung reagieren können.
„Wir ergreifen selbst zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen, aber die Probleme, mit denen wir in Bahnhöfen konfrontiert sind, sind oft sozialer Natur. Als Eisenbahnunternehmen verfügen wir nicht über die Mittel oder Befugnisse, um diese Probleme anzugehen“, erklärt Bahnsprecher Dimitri Temmerman: „Wir brauchen die Hilfe aller Partner, auch der Polizei.“
„Wir haben einen strengen rechtlichen Rahmen für den Datenschutz und die Privatsphäre geschaffen“, so Innenminister Quintin: „Dank der Echtzeitbilder kann schneller gehandelt werden, wenn beispielsweise in einem Bahnhof ein Diebstahl vorkommt oder es zu einer Schlägerei kommt. Das Ziel ist letztendlich, die Kriminalität zu senken und dies ist ein entscheidender Schritt in diese Richtung.“ Verkehrsminister Crucke weist auf die Sicherheit der Bahnreisenden hin. „Der öffentliche Nahverkehr muss ein sicherer Ort für alle sein. „Wenn die Polizei die Kamerabilder direkt einsehen kann, können mehr Augen die Situation vor Ort verfolgen. Das kann auch eine präventive abschreckende Wirkung auf Kriminelle haben.“
8.000 Kameras
Fast 130 lokale Polizeizonen erhalten Zugang zu den Bildern. Jeder Polizeizone mit mindestens einem Bahnhof kann die Bilder der Bahn in seinem Gebiet einsehen. Auch mehrere Dienste der föderalen Polizei, wie die Notrufzentralen, die Luftfahrtpolizei und die föderale Kriminalpolizei erhalten direkten Zugriff auf die Bilder. Securail, der Sicherheitsdienst der NMBS, und die föderale Bahnpolizei können schon länger in Echtzeit mitverfolgen.
Insgesamt werden die Bilder von etwa 8.000 Kameras in und um Bahnhöfe herum geteilt. Es handelt sich dabei immer um Kameras an öffentlichen Orten, wie z.B. in der Bahnhofshalle und im Warteraum, auf den Bahnsteigen, in Fahrradabstellplätzen und Parkhäusern. Die rund 7.000 Kameras, die die NMBS in den Zügen selbst betreibt, fallen nicht unter die neue Vereinbarung. Laut NMBS steht eine direkte Weitergabe dieser Bilder derzeit „nicht zur Debatte”, aber laut Kabinett Quintin könnte dies in Zukunft möglich werden.
