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Inland
Wirtschaft

Der belgische Stromnetzbetreiber Elia prüft, ob man bei einem Milliardengeschäft in Deutschland eine Rolle spielen kann

Das niederländische Staatsunternehmen Tennet entscheidet diesen Monat über den Verkauf seines deutschen Hochspannungsnetzes. Das Milliardengeschäft ist für den Branchenkollegen Elia finanziell zu hoch gegriffen, aber der belgische Hochspannungsnetzbetreiber prüft, ob er einen Platz am Verhandlungstisch ergattern kann, wie die flämische Wirtschaftszeitung De Tijd diese Woche meldete. Tennet Deutschland wird mit 20 bis 27 Mia. € bewertet. Entweder geht das Unternehmen an die Börse oder es kommt zu einer privaten Platzierung eines großen Pakets neuer Aktien bei finanzstarken Investoren. 

Andreas Kockartz
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Die Entscheidung trifft nicht Deutschland, sondern der niederländische Finanzminister Eelco Heinen (VVD), da das deutsche Netz im Besitz des niederländischen Staatsunternehmens Tennet ist. Aufgrund der Energiewende muss Tennet in zehn Jahren eine Rekordsumme von 200 Mia. € in den Ausbau und die Modernisierung seiner Hochspannungsnetze in den Niederlanden und Deutschland investieren. Durch die Veräußerung des deutschen Netzes hofft Den Haag, diese Rechnung drücken zu können.

Der deutsche Energiemarkt ist ein Sonderfall in Europa. Statt eines großen nationalen Stromnetzbetreibers entstanden nach der Liberalisierung 4 regionale Hochspannungsnetze. Da damals in Deutschland wenig Interesse an Stromkabeln bestand, gingen 2 Netze in ausländische Hände über. Das niederländische Unternehmen Tennet kaufte den größten deutschen Akteur und das belgische Unternehmen Elia wurde Mehrheitsaktionär von 50Hertz, dem Netz im ehemaligen Ostdeutschland.

Klotz am Bein

Während man bei Tennet seufzte, weil die deutsche Tochtergesellschaft in den letzten Jahren zu einem finanziellen Klotz am Bein geworden war, setzte Elia stark auf die Integration mit 50Hertz. Als Tennet 2019 sein deutsches Netz zum ersten Mal zum Verkauf stellte, beauftragte der Vorstand von Elia das Management, die Entwicklungen dort zu verfolgen und mögliche Deals, wie beispielsweise eine Minderheitsbeteiligung, zu prüfen. Bernard Gustin, der CEO von Elia, bestätigte Anfang des Jahres nach den Verkaufsplänen von Tennet Deutschland, dass das Bel20-Unternehmen (Elia ist an der Brüsseler Bel20-Börse notiert) „sich das sicherlich anschauen wird”. Heute sagt ein Sprecher von Elia, dass das Unternehmen „die Gespräche rund um Tennet verfolgt, aber nicht direkt beteiligt ist”.

Die Übernahme von Tennet Deutschland in seiner Gesamtheit ist für die Elia Group, die stark in ihre eigenen belgischen und deutschen Aktivitäten investieren muss, keine Option. Elia musste dafür in diesem Jahr 2,2 Mia. € Kapital beschaffen. Dieser Geldhunger von Elia stieß an die finanziellen Grenzen seines historischen Referenzaktionärs - das sind die belgischen Städte und Gemeinden. Die kommunale Holding Publi-T musste verschiedene Partner an Bord holen, darunter der belgische Gasnetzbetreiber Fluxys, um mithalten zu können.

Selbst für die deutsche Regierung ist der Kauf von Tennet Deutschland zu kostspielig. Die vorherige deutsche Regierung verhandelte jahrelang mit den Niederlanden, um das deutsche Netz über die staatliche Bank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) zurückzukaufen. Aber der Deal von schätzungsweise mehr als 20 Mia. € scheiterte, weil er zu teuer war. Inzwischen scheint die neue deutsche Regierung doch noch Interesse an Tennet Deutschland zu haben. Natürlich nicht mehr für eine vollständige Übernahme, sondern für eine Minderheitsbeteiligung, damit die Regierung weiterhin ein Mitspracherecht bei diesem „strategischen Aktivposten” hat. 

Beziehungen pflegen

Als langjähriger Partner der KfW verfolgt Elia die Verkaufsverhandlungen seines deutschen Nachbarn weiterhin aufmerksam. „Die Zusammenarbeit mit 50Hertz in der Elia Group ist für alle Beteiligten von großem Wert. Wir arbeiten gerne und gut mit der KfW zusammen und wollen unsere Beteiligung in Deutschland auf keinen Fall verringern”, sagte Marie-Laure Vanwanseele, Sprecherin von Elia, gegenüber De Tijd.

Diese guten Beziehungen wurden kürzlich auch beim Besuch von Premierminister Bart De Wever (N-VA) bei Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in Berlin gestärkt. Neben dem Eisernen Rhein und dem Einstein-Teleskop wurde auch über Hochspannungsnetze und über die Tennet-Akte gesprochen. Es war also kein Zufall, dass De Wever bei Berlin die beeindruckende Baustelle der Kabeldiagonal, einem Vorzeigeprojekt von 50Hertz, besuchte.

Elia möchte auf der erfolgreichen Zusammenarbeit mit der deutschen Regierung und der KfW aufbauen. „Wir werden auf jeden Fall zuhören, wenn man sagt, dass wir irgendwo helfen können, aber wir müssen klug vorgehen“, erklärte CEO Gustin Anfang dieses Jahres. Elia hat zwar nicht „die tiefsten Taschen“, aber viel operatives Wissen und, was nicht unwichtig ist, auch einen immer größeren deutschen Einfluss. Die Hälfte der Führungspositionen bei der Elia Group sind mit Deutschen besetzt.

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