Die privaten Archive von Henry Le Bœuf und seiner Frau Louise Le Bœuf-Thys wurden kürzlich von der König Baudouin-Stiftung (Fonds Marie-Jeanne Dauchy) auf gemeinsame Initiative vom Brüsseler Kulturpalast Bozar und der Königlichen Bibliothek von Brüssel (KBR) erworben. Diese Archive wurden der KBR zur Aufbewahrung, Untersuchung und Verwertung hinterlegt. Henry Le Bœuf war ein Gründungsmitglied des Palais des Beaux-Arts (später Bozar) und eine wichtige Figur im musikalischen Leben Brüssels in den 1920er Jahren. Seine Korrespondenz und Aufzeichungen sind eine Fülle wertvoller Informationen.
Die privaten Archive von Henry und Louise Le Bœuf werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht
Wer war Henry Le Bœuf?
Es ist kein Zufall, dass der Name dieser großen Brüsseler Persönlichkeit heute eng mit dem prestigeträchtigen Konzertsaal von Bozar verbunden ist. Henry Le Bœuf (1874-1935), ein ausgebildeter Anwalt, aber auch leidenschaftlicher Musikliebhaber und Amateurpianist, war Musikkritiker und Mitglied - wenn nicht sogar Gründer - zahlreicher kultureller Institutionen. 1919 übernahm er die Leitung der „Société des Concerts Populaires“ und gründete 1922 den „Chor César Franck“. Im selben Jahr wurde er Gründungsmitglied des Palais des Beaux-Arts in Brüssel, dessen Direktor er bis zu seinem Tod 1935 war. Im Jahr 1927 gründete er dort auch die „Association Philharmonique“.
Was ist in diesen privaten Archiven zu finden?
Das Archiv enthält eine reiche Korrespondenz zwischen Henry Le Bœuf und seiner Frau Louise Thys sowie Briefe von Künstlern und seiner Freundin, Königin Elisabeth. Es gibt auch persönliche Notizen über Musik - einige publiziert, andere unveröffentlicht geblieben -, mehrere ikonographische Dokumente und ein einzigartiges Album anlässlich einer Hommage an Henry Le Bœuf vom 2. Mai 1926.
Dieses Album enthält die Unterschriften der für diese Veranstaltung gegründeten „Fondation Henry Le Bœuf“, gefolgt von handgeschriebenen Notizen großer Komponisten wie Paul Dukas, Joseph Jongen, Darius Milhaud, Maurice Ravel, Sergeij Prokofiev, Francis Poulenc oder auch Arthur Honegger.
Ein riesiger Schatz
Diese außergewöhnliche Sammlung passt perfekt zur Mission des „Fonds Marie-Jeanne Dauchy“, der von der König-Baudouin-Stiftung verwaltet wird und sich für die Erhaltung, Restaurierung und Aufwertung des kulturellen Erbes in Brüssel einsetzt. Es ist die ideale Gelegenheit, das Wissen über die belgische Kulturgeschichte vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs zu erneuern. Parallel dazu unterstreicht sie die Zusammenarbeit zwischen der KBR und Bozar um die im Jahr 2023 lancierte Musikbibliothek „Fondation Henry Le Bœuf“. Schließlich ist diese Akquisition Teil einer Reihe von Projekten zur Aufwertung im Hinblick auf das hundertjährige Jubiläum des Palais des Beaux-Arts (2028) und das zweihundertste Jubiläum Belgiens (2030).
