Nach mehreren Wolfsangriffen auf Nutztiere in Nord-Limburg hat die flämische Regierung zusätzliche Mittel und Personal bereitgestellt, um wolfssichere Zäune schneller und flächendeckender zu errichten. Das wurde am Donnerstag bei einem Krisentreffen mit Minister Jo Brouns (Christdemokraten, CD&V), lokalen Bürgermeistern, Experten und Anwohnern beschlossen.
Nach toten Ponys und Ziegen: Wie Flandern das Wolf-Problem in Limburg anpackt
Die Bürgermeister von Oudsbergen und Peer hatten das Treffen initiiert, nachdem in der Region mehrere Ponys und Ziegen von Wölfen getötet wurden. Die Zahl der getöteten Ponys liegt derzeit bei elf. Die Sorge in Nordost-Limburg war in den letzten Wochen stark gestiegen.
Derzeit leben in Flandern vier erwachsene Wölfe:
Das Wolfspaar Noëlla und Maurice in Hechtel-Eksel in der Provinz Limburg
Die Einzelgängerin Emma (Titelfoto) im Norden der Provinz Antwerpen
Ein neuer, bislang unbekannter Wolf im Nationalpark Bosland, ebenfalls in Hechtel-Eksel in der Provinz Limburg
Es ist noch nicht sicher, ob sich der neu aufgetauchte Wolf dort dauerhaft niederlassen wird.
Die zentrale Frage, die alle Anwesenden beschäftigte: Wie können wir mit dem Wolf zusammenleben? Ein Verjagen des Tieres ist laut den Verantwortlichen in Flandern nicht vorgesehen.
Wolfsabweisende Zäune
Die lokalen Behörden und der Minister setzen vor allem auf wolfsabweisende Zäune.
„Wir schätzen den Einsatz der 300 Freiwilligen des Wolf Fencing Teams sehr. Ziel ist es nun, Anträge innerhalb einer Woche zu bearbeiten“, so Brouns. Das Team wird verstärkt. Auch lokale Behörden erhalten Unterstützung. Zudem sollen professionelle Zaunbauer geschult werden, um wolfsabweisende Zäune errichten zu können.
„Wir haben inzwischen 1.400 Anträge erhalten und über 700 Zäune wolfssicher gemacht. Auf diesen Weiden gab es keine weiteren Schäden – das zeigt, dass Zusammenleben mit dem Wolf möglich ist, wenn wir auf Prävention setzen“, sagt Diemer Vercayie vom Wolf Fencing Team.
Neue Regeln für Unterstände
Auch die Regelungen für Tierunterstände auf Weiden werden angepasst. Bisher mussten diese laut Genehmigungsvorgaben an drei Seiten offen sein.
„Diese Regelung ändern wir, damit Tiere beispielsweise nachts in einem geschlossenen Stall untergebracht werden können“, erklärt Brouns.
Kostenübernahme bei Kadaverentsorgung
Wenn ein Tier von einem Wolf getötet wird, entstehen nicht nur emotionale Schäden, sondern auch Kosten für die Kadaverentsorgung.
„Die Rechnung von Rendac, dem zuständigen Unternehmen, übernehmen wir ebenfalls“, so Brouns.
Rescue Kits als Soforthilfe
Es gibt auch sogenannte Rescue Kits – mobile wolfsabweisende Zäune, die kurzfristig vom Natur- und Forstamt ausgeliehen werden können.
„Wir stellen mehr solcher Zäune bereit, damit jeder, der sie braucht, schnell Zugang erhält. Auch lokale Behörden werden mit Unterstützung von Flandern Rescue Kits anschaffen“, sagt Brouns.
Wissenschaftliche Untersuchung zur Wolfspopulation
Es soll untersucht werden, wie viele Wölfe Flandern verkraften kann.
„Diese Frage müssen wir uns stellen und gegebenenfalls Grenzen setzen“, meint Brouns: „Die Schutzstatus des Wolfs wurde in Europa herabgestuft, was die Erstellung eines Wolfsmanagementplans ermöglicht. Wenn es mehr Wölfe gibt, als unser Gebiet verträgt, können wir die Population verwalten oder begrenzen.“
