Die belgische Pharmaindustrie muss jetzt doch mit Einfuhrzöllen von 15 % in den USA arbeiten. Sektorverband Pharma.be zeigt sich enttäuscht vom Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten.
Der Pharmasektor in Belgien muss jetzt doch 15 % Einfuhrzoll in den USA entrichten
Bis jetzt musste keine Zollgebühr für pharmazeutische und medizinische Produkte bei der Einfuhr in die USA gezahlt werden, wie Caroline Ven, CEO von Pharma.be gegenüber VRT NWS sagte: „In der Vergangenheit wurden Medikamente immer von Zollgebühren befreit, weil sie für die Bevölkerung wichtig sind. Davon nimmt man jetzt Abstand. Das ist eine Enttäuschung.“
„Andererseits“, so Ven weiter, „gab es auch in den USA eine laufende Untersuchung, um festzustellen, ob es strategische Güter, einschließlich Medikamente, gibt, für die viel höhere Sätze gelten sollten. So wie wir es jetzt verstehen, wären Medikamente darin nicht enthalten. Das ist viel besser als die 200 % oder sogar mehr, die Präsident Trump andeutete. "
Für den hiesigen Pharmasektor ist der Export das wichtigste Kriterium. Alleine im vergangenen Jahr führten belgische Pharmaunternehmen Erzeugnisse mit einem Warenwert von rund 80 Mia. € aus und fast ein Viertel dieser Exportmenge ging in die USA.
Die Pharma- und die Chemieindustrie sind die größten Exportsektoren Belgiens und an diesen Sektoren hängen zehntausende Arbeitsplätze. Das bedeutet, dass diese Sektoren, besonders der pharmazeutische Sektor, auf den US-Markt angewiesen sind.
Offene Fragen
Allerdings, so Pharma.be-CEO Ven, müssen die neuen Einfuhrzölle noch klarer definiert werden, denn viele Details seien noch offen und ungeklärt. Der maximale Handelssatz von 15 % gilt für den Import von Autos, pharmazeutischen Erzeugnissen, Halbleitern und vielen anderen Produkten in die USA. Darüber hinaus werden aber für eine Reihe von Produkten eher niedrigere Preise gelten. Hierzu zählen Flugzeuge und Flugzeugteile, Generika und deren Inhaltsstoffe sowie Rohstoffe für die Chemieindustrie.
Die EU hofft, diese Regelung in späteren Verhandlungen auf andere Produkte ausweiten zu können. „Dies ist nicht das Ende, sondern der Anfang“, sagte EU-Handelskommissar Maros Sefcovic. Er sprach von „einem ersten Schritt, der Vorhersehbarkeit und Stabilität in unsere Beziehung bringen wird.“

