Die belgische Bundesregierung De plant Verhandlungen mit den Kraftwerksbetreibern Engie/Electrabel und EDF/Luminus, um den Meiler Tihange 1 im gleichnamigen Atomkraftwerk bei Lüttich (Foto) weitere zehn Jahre zu nutzen. Dies melden die belgischen Wirtschaftsblätter De Tijd und L’Echo. Normalerweise sollte Tihange 1 noch dieses Jahr abgeschaltet werden, nachdem es zehn Jahre länger als ursprünglich geplant am Netz war. Energieminister Mathieu Bihet (MR) muss jetzt kurzfristig Verhandlungen mit den Betreibern führen.
Regierungspläne: Soll der Atommeiler Tihange 1 länger am Netz bleiben?
Die vorherige Regierung um Premier Alexander De Croo (Open VLD) hatte angesichts der Energie- und der drohenden Versorgungskrise durch den russischen Angriff auf die Ukraine vereinbart, die Meiler Doel 4 und Tihange 3 bis 2035 weiter zu nutzen.
Die Arizona-Regierung um Premier Bart De Wever (N-VA) will da noch weitere 10 Jahre hinzufügen. Doch sowohl die Betreiber als auch die belgische Atomaufsichtsbehörde FANC warnen, dass eine solche Laufzeitverlängerung, wenn überhaupt, kurzfristig nicht möglich sei.
Tihange 1 soll eigentlich am kommenden 1. Oktober endgültig vom Netz gehen, doch die Regierung De Wever will nicht, dass der Reaktor zurückgebaut wird, sondern dass er modernisiert wird, um kurz- bis mittelfristig wieder in Betrieb genommen werden kann. Tihange 1 ist 1975 in Betrieb genommen worden und ist der älteste Reaktor in Belgien.
Vor 2031 oder 2032 sei das nicht möglich, wie der belgische Netzbetreiber Elia nicht erst seit gestern angibt. Energieminister Bihet hat Elia aber jetzt damit beauftragt, eine mögliche Reaktivierung von Tihange 1 zu prüfen und dahingehende Pläne auszuarbeiten.
Dies unterstreicht die Bemühungen der Regierung De Wever, der Kernkraft ihren Platz im Energiemix des Landes zu bereiten. Damit zeigt sich einmal mehr, dass der Ausstieg aus der Atomenergie, den die Regierung De Croo noch vereinbart hatte, rückgängig gemacht werden soll.
