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Wirtschaft

Bel-20 übertrifft erstmals Rekord von 2007 und lässt Finanzkrise hinter sich

Der Bel-20 erreicht zum ersten Mal seit 18 Jahren ein neues Rekordhoch. Damit übertrifft der Börsen-Leitindex erstmals den bisherigen Höchststand von 4.756,92 Punkten. Dieser wurde am 23. Mai 2007 verzeichnet, bevor die globale Finanzkrise im Jahr 2008 die Märkte erschütterte.

Belga Martina Luxen
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Die Finanzkrise von 2008 hatte den Bel-20 besonders hart getroffen, da viele Banken wie Fortis, Dexia und KBC im Index vertreten waren. Das anschließende Börsenwachstum wurde vor allem von Technologie- und zyklischen Unternehmen getragen – Branchen, die im Bel-20 traditionell unterrepräsentiert sind.

Wert statt Wachstum

„Der Bel-20 besteht vor allem aus Wertaktien, also Unternehmen mit stabilen Dividenden, aber wenig Wachstum“, erklärt Tom Simonts, Finanzökonom bei KBC. „Das ist das Grundproblem des Index: Er bietet Wert, aber keine Dynamik.“

Im Gegensatz dazu enthalten die Leitindizes in Amsterdam (AEX) und Paris (CAC 40) wachstumsstarke Unternehmen wie ASML, ASMI oder LVMH, die von globalen Trends wie Digitalisierung und Konsum profitieren. Diese Indizes haben ihre Vorkrisenstände bereits deutlich früher übertroffen – der FTSE 100 in London etwa schon 2014, die CAC 40 2021.

Belgische Unternehmen mit gemischter Bilanz

Viele belgische Topunternehmen haben sich in den letzten Jahren schwergetan:

  • AB InBev kämpfte lange mit der Schuldenlast nach der Übernahme von SAB Miller.

  • KBC profitiert erst seit Kurzem vom Aufschwung im Bankensektor.

  • Und UCB konnte sich erst 2024 als Pharmaunternehmen international durchsetzen.

Eine Ausnahme bildet Argenx, ein wachstumsstarkes Biotech-Unternehmen, das seit 2018 im Bel-20 gelistet ist – allerdings mit begrenztem Einfluss auf die Indexentwicklung.

Strenge Regeln und verpasste Chancen

Einige erfolgreiche belgische Unternehmen wie Lotus Bakeries wurden lange nicht in den Bel-20 aufgenommen – unter anderem wegen geringer Handelsvolumina und familiärer Eigentümerstrukturen. Erst 2024 gelang Lotus der Einstieg in den Index, doch das Unternehmen notiert inzwischen 35 % unter seinem Höchststand.

Dividenden als Renditequelle

Wer den Bel-20 über die letzten 18 Jahre gehalten hat, konnte dennoch profitieren und zwar vor allem durch Dividenden, die im Schnitt 4 % brutto pro Jahr betragen. Diese Ausschüttungen werden im Bel-20 Return Index berücksichtigt, der aktuell bei über 11.000 Punkten liegt: mehr als doppelt so hoch wie der Kursindex.

Doch auch als Return Index bleibt der Bel-20 im internationalen Vergleich hinter den Erwartungen zurück. „Wir schneiden etwas besser ab als chinesische Aktien seit 2008“, so Simonts: „Aber wir verpassen die großen Trends: Technologie, Halbleiter, Cloud-Dienste – all das fehlt in Brüssel.“

Auch Verteidigung und Energie, zwei aktuelle Boom-Sektoren, sind im Bel-20 kaum vertreten. Während Rheinmetall und Dassault Aviation in Frankfurt und Paris profitieren, fehlt Brüssel diese Dynamik

 

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