Der Europäische Journalistenverband EJF hat sich an den Europarat gewandt und fordert eine öffentliche Entschuldigung von MR-Präsident George Louis Bouchez. Am Wochenende wurde eine Tonaufnahme eines Telefongesprächs veröffentlicht, in dem Bouchez, Vorsitzender der frankophonen Liberalen MR, einen Journalisten des französischsprachigen öffentlich-rechtlichen Senders RTBF angeblich körperlich bedroht haben soll.
Verbaler Ausrutscher von MR-Präsident Bouchez gegenüber einem Reporter – Europäischer Journalistenverband wendet sich an den Europarat
Der EJF bezeichnet den Vorfall als „Bedrohung der körperlichen Unversehrtheit eines Journalisten“. Bouchez selbst bestreitet die Drohung. Die Journalistenvereinigung fordert, dass die belgischen Behörden die Äußerungen von Bouchez verurteilen und eine gerichtliche Untersuchung einleiten. Das sei das zu befolgende Standardverfahren, wenn Politiker Journalisten bedrohten, so der Verband zur Begründung. Dabei spiele die politische Ausrichtung der betroffenen Politiker keine Rolle.
Dazu zu Schweigen ermutige solches Verhalten, deswegen müsse konsequent dagegen vorgegangen werden, so der EJF. Der Europäische Journalistenverband vertritt eigenen Angaben zufolge rund 300.000 Journalisten in 44 Ländern. Pressefreiheit ist ein hohes Gut in einer Demokratie, so die Föderation und diese gelte es zu verteidigen.
Auslöser ist ein Artikel der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt RTBF, der Informationen des frankophonen Magazins „Le Vif“ aufgreift. Darin geht es um zahlreiche Bußgelder für Falschparken, die den Wagen seines Fahrers, der zeitweise mit einer nicht gültigen Behinderten-Parkausweis versehen war, betreffen. Dieser Ausweis gehörte dem inzwischen verstorbenen Vater des Fahrers. Bouchez wirft der RTBF vor, zu suggerieren, dass es sich um seinen Wagen handele. Mutmaßlich hat er dem Journalisten gedroht, bald selbst einen Behinderten-Parkschein nutzen zu müssen…
