Der belgische Anwalt Luc Misson (Foto) ist in der vergangenen Woche im Alter von 72 Jahren verstorben. Misson hatte 1995 mit dem historischen „Bosman-Urteil“ des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) den internationalen Fußball grundlegend verändert.
Luc Misson ist gestorben - Der belgische Anwalt, der den europäischen Fußball veränderte
Der Jurist erstritt damals für den ehemaligen Profispieler Jean-Marc Bosman das Recht, dass Fußballer nach Vertragsende ablösefrei ihren Verein wechseln dürfen. Gleichzeitig wurden Quoten für ausländische Spieler in europäischen Ligen für unzulässig erklärt. Die entsprechenden Urteile sorgten für ein Erdbeben im Fußball.
Der 1952 in Vielsalm in der Provinz Lüttich geborene Luc Misson sorgte in seiner juristischen Laufbahn immer wieder für aufsehenerregende Verfahren und Urteile - nicht nur im Sport. Er stellte die Macht des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) in Frage, erkämpfte im Fall des Franzosen Mohamed Dahmane eine Begrenzung von Vertragsstrafen im Profifußball auf maximal zwölf Monatsgehälter.
Er brachte gemeinsam mit seinem Kollegen Julien Pierre das sogenannte „Taxquet-Urteil“ vor den Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. Dies führte dazu, dass Geschworenengerichte ihre Urteile seitdem begründen müssen - eine Folge des Prozesses um die Ermordung des sozialistischen Politikers André Cools, der im Juli 1991 in Lüttich erschossen wurde.
Neben dem Sport und spektakulären juristischen Verteidigungen setzte sich Luc Misson auch für die Anrainer des Lütticher Regionalflughafens in Bierset im Kampf gegen nächtlichen Fluglärm ein und er erstritt für Medizinstudenten in Belgien eine Aufhebung der Zugangsbeschränkungen durch den Numerus Clausus.
Nicht zuletzt erreichte der streitbare Jurist in Berufung eine Verurteilung der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB, die damit gezwungen wurde, die autonome Lokführergewerkschaft ASTB offiziell anzuerkennen.
