Immer mehr Studierende im belgischen Bundesland Flandern brechen ihr Studium an der Universität vorzeitig ab und beginnen ein berufsorientiertes Bachelorstudium an einer Fachhochschule. Und das tun sie meist, ohne zuvor ihren akademischen Bachelorabschluss erworben zu haben. Im vergangenen akademischen Jahr betraf das fast 9.000 Studierende, gegenüber etwa 1.500 vor drei Jahren. Das geht aus Zahlen hervor, die der CD&V-Abgeordnete Brecht Warnez (Foto unten) bei der flämischen Bildungsministerin Zuhal Demir (N-VA) angefordert hat.
Flandern: Fünfmal mehr Studierende wechseln von der Universität zur Fachhochschule, ohne ihren Bachelor abzuschließen
„Das ist keine gute Entwicklung. Jedes Jahr, das ein Student ohne Abschluss absolviert, ist verlorene Zeit. Wir müssen die Studenten im Vorfeld besser orientieren, beispielsweise durch den Columbus-Test (ein Tool, das Schülern der Sekundarstufe bei der Studienwahl hilft, Red.).”
Der flämische Christdemokrat Warnez plädiert dafür, die bestehenden Eingangstests auszuweiten: „Einen Eingangstest, der prüft, ob ein Student ausreichend vorbereitet ist, um ein bestimmtes Studium zu beginnen, gibt es in Flandern bereits für eine Reihe von Studiengängen wie das Bauingenieurwesen oder beim Lehramt, aber für die meisten anderen Fälle gibt es ihn noch nicht. Und als CD&V wollen wir, dass diese Tests schneller eingeführt und breiter umgesetzt werden, damit jeder junge Mensch rechtzeitig einschätzen kann, ob ein Studiengang zu ihm passt, und wir so Frustration und verlorene Studienjahre vermeiden.”
Studierende, die nach ihrem akademischen Bachelor noch einen berufsorientierten Bachelor beginnen, entscheiden sich möglicherweise bewusst für einen stärker auf den Arbeitsmarkt ausgerichteten Bachelor, meint Warnez: „Damit zeigen sie, dass sie die Freiheit und Möglichkeit haben, ihren Weg anzupassen, aber das wirft auch Fragen hinsichtlich der richtigen Orientierung zu Beginn ihrer Studienlaufbahn auf.“
