Premierminister Bart De Wever hat am Sonntagabend vorsichtig positiv auf das neue Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA reagiert. In seiner Stellungnahme lobte er auch die Rolle von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei den Verhandlungen. Die Föderation der belgischen Unternehmen (FEB) sowie der Technologieverband Agoria haben das Abkommen ebenfalls begrüßt.
Belgiens Premier reagiert vorsichtig optimistisch zum Handelsabkommen zwischen EU und USA
Auf der Plattform X schreibt Premierminister Bart De Wever (flämische Nationalisten, N-VA), er sei erleichtert, sehe jedoch keinen Anlass zur Freude. Er warnte weiterhin vor steigenden Zöllen und noch ungeklärten Punkten im Abkommen.
„Ich hoffe aufrichtig, dass sich die USA von der Illusion des Protektionismus verabschieden und den Wert des freien Handels wieder anerkennen – als Grundlage gemeinsamen Wohlstands“, erklärte der belgische Regierungschef.
Zudem betonte De Wever, dass der europäische Binnenmarkt gestärkt werden müsse, um das globale Handelsnetz zu diversifizieren: „Europa sollte zum Leuchtturm eines offenen, fairen und verlässlichen Handels werden – etwas, das die Welt dringend braucht.“
Von der Leyen: „Das Beste, was wir erreichen konnten“
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erläuterte Details des Abkommens, das sie mit US-Präsident Donald Trump ausgehandelt hatte. Der vereinbarte Zollsatz von 15 Prozent, der auch für die Automobilbranche gilt, sei „das Beste, was wir erreichen konnten“. „Vergessen wir nicht: Ab dem 1. August wären 30 Prozent fällig gewesen. Es wäre viel schwieriger gewesen, diesen Satz später wieder zu senken.“
Wirtschaftsverbände begrüßen Stabilität
Die FEB und Agoria haben das Abkommen als Erleichterung für die Unternehmen begrüßt, die damit einer Handelskrise entgehen. Die FEB bezeichnete das Abkommen als „wichtigen Schritt“ hin zu einer stabileren transatlantischen Beziehung. Ohne Einigung wären die Zölle auf viele europäische Produkte auf 30 Prozent gestiegen. Die USA sind der viertgrößte Handelspartner Belgiens und der wichtigste außerhalb der EU.
Agoria zeigte sich ebenfalls erleichtert, aber vorsichtig: „Angesichts der geopolitischen Lage können wir mit diesem Abkommen leben. Es ist eine bittere Pille, aber wir haben das Schlimmste vermieden“, sagte Bart Steukers, CEO von Agoria.
Aufruf zu Reformen und Marktöffnung
Für die FEB ist das Abkommen vor allem eine Quelle der Stabilität nach Monaten wirtschaftlicher Unsicherheit. „Ein vorhersehbares und offenes Handelsumfeld bleibt entscheidend für Wettbewerbsfähigkeit und Vertrauen“, so der Unternehmensverband.
Agoria fordert nun, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, interne Handelsbarrieren in der EU abzubauen und neue Märkte zu erschließen. Die Organisation weist darauf hin, dass Marktverzerrungen innerhalb der EU immer noch Zöllen von 44 Prozent auf Waren und 110 Prozent auf Dienstleistungen entsprechen.
