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Inland
Wirtschaft

Erneut Rekordzahl an Unternehmensgründungen in Belgien

Noch nie zuvor gab es in Belgien so viele Unternehmensgründungen wie im vergangenen Jahr. Das geht aus dem jährlichen „Startersatlas“ der Unternehmerorganisationen Unizo und UCM sowie des Marktforschungsunternehmens GraydonCreditSafe hervor. Das Wachstum ist jedoch fast ausschließlich einer spektakulären Zunahme in Brüssel zu verdanken. Die Zahlen für das erste Halbjahr 2025 lassen zudem wenig Gutes erwarten.

Jens Van Reet
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Nach zwei Jahren mit nur begrenztem Wachstum ist die Zahl der Neugründungen im vergangenen Jahr wieder auf ein Rekordniveau gestiegen. „Mit 127.171 neu gegründeten Unternehmen verzeichnen wir im Vergleich zu 2023 einen Zuwachs von 6.693 oder +6,29 Prozent“, erklärt Eric Van den Broele von GraydonCreditSafe.

Gleichzeitig macht Van den Broele zwei wichtige Anmerkungen. Erstens zeigt sich in den Zahlen des ersten Halbjahres 2025, dass sich der Aufwärtstrend der vergangenen drei Jahre nicht fortsetzt – im Gegenteil. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2024 ist 2025 ein Rückgang zu verzeichnen: in Flandern um -4,7 Prozent, in Brüssel um -8,6 Prozent und auf nationaler Ebene um -9,4 Prozent.

Brüsseler Verzerrung

Ein genauerer Blick auf die Zahlen des Vorjahres offenbart, dass selbst die Gesamtwerte täuschen: Der Anstieg auf nationaler Ebene ist fast ausschließlich einem temporären Phänomen im Brüsseler Raum zuzuschreiben. In der Region Brüssel-Hauptstadt ist die Zahl der Neugründungen im vergangenen Jahr spektakulär gestiegen. Mit rund 15.700 Gründern entspricht das einem Zuwachs von +31,5 Prozent im Vergleich zu 2023.

Dieser Anstieg hängt unter anderem mit einer Lockerung der Brüsseler Vorschriften zusammen. Seit Anfang 2024 muss man keine Grundkenntnisse in Unternehmensführung mehr nachweisen, um ein Unternehmen gründen zu dürfen.

Zudem entfiel auch die Pflicht zum Nachweis beruflicher Qualifikationen in fünf Bereichen: Fleischer-Großhandel, Textilreiniger und -färber, medizinische Fußpflege, Massagefachkraft und Zahntechniker.

In den anderen Regionen fällt das Bild anders aus: In der Wallonie beträgt der Anstieg lediglich 1,14 Prozent. In Flandern ist zum ersten Mal seit Jahren sogar ein – wenn auch leichter – Rückgang zu verzeichnen (-1,3 Prozent). Im Jahr 2025 scheint sich dieser Trend fortzusetzen, mit rund fünf Prozent weniger Gründungen in Flandern im Vergleich zum ersten Halbjahr 2024.

„Diese Entwicklung deutet auf eine zunehmende wirtschaftliche Unsicherheit, gestiegene Kosten und ein gesunkenes Vertrauen bei potenziellen Unternehmern hin“, sagt Robin Deman, Ökonom bei Unizo. Er nutzt die Gelegenheit, um für „einen erleichterten Zugang zu Finanzierung, geringere Steuerlast und weniger Bürokratie“ zu plädieren. „Neugründungen sind nämlich essenziell für unsere Wirtschaft: Sie bringen Innovation und schaffen Arbeitsplätze“, betont er.

Auch mehr Geschäftsaufgaben

Deman verweist zudem auf die gestiegene Zahl an Geschäftsaufgaben. Diese stieg im vergangenen Jahr auf 107.112, was einer Zunahme von +5,0 Prozent gegenüber 2023 entspricht.

Zieht man von der Zahl der Neugründungen die Zahl der Geschäftsaufgaben ab und setzt diese ins Verhältnis zur Gesamtzahl der Unternehmen, ergibt sich das Nettowachstum. Dieses betrug 2024 lediglich +1,5 Prozent – der zweitschlechteste Wert seit 2015. In einigen Branchen wurde sogar ein negatives Nettowachstum verzeichnet, etwa in der Gastronomie, im Einzel- und Großhandel sowie in der Industrie.

Zum Schluss noch ein Blick auf jene Tätigkeitsbereiche mit den absolut meisten Neugründungen: An erster Stelle stehen Unternehmensberatungen im Bereich Management und Betriebsführung mit 6.209 Neugründungen im Jahr 2024. Es folgen ambulante Rehabilitationsdienste (3.421 Neugründungen) sowie der Einzelhandel per Versandhandel oder über das Internet (3.362 Neugründungen) – also Webshops.

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