Der französische Flugzeugbauer Eric Trappier will nicht, dass Belgien 300 Millionen Euro investiert und Vollpartner des ehrgeizigen europäischen Verteidigungsprojekts FCAS wird. Das sagte er während einer Rede bei einer Firmenveranstaltung. Er ist der Meinung, dass Belgien durch den Kauf amerikanischer F-35-Kampfjets die europäische Rüstungsindustrie lächerlich macht. Verteidigungsminister Francken weist die Kritik zurück.
‚Architekt‘ ehrgeizigen europäischen Rüstungsprojekts will Belgien nicht als Partner: „Sie machen uns lächerlich“
Am vergangenen Freitag hat die belgische Regierung grünes Licht für einen Plan gegeben, um Vollpartner des „Future Combat Air System“ (FCAS) zu werden – eines der ambitioniertesten und größten europäischen Rüstungsprojekte der kommenden Jahrzehnte. Es umfasst die Entwicklung eines neuen Kampfflugzeugs der 6. Generation sowie ein umfassendes System, das die Durchführung von Luftoperationen grundlegend verändern soll.
Diese Entscheidung ist Teil der neuen strategischen Verteidigungsvision. Der erste Schritt in Richtung FCAS-Partnerschaft wurde zwar bereits 2023 von der damaligen Verteidigungsministerin Ludivine Dedonder gemacht, doch mit der geplanten belgischen Beteiligung in Höhe von rund 300 Millionen Euro soll diese Partnerschaft nun konkret werden. Bis 2030 soll der Prozess abgeschlossen sein.
Streit um F-35-Kampfjets
Im selben Dokument, in dem Belgien Hunderte Millionen Euro für FCAS zusagt, kündigt das Land auch den Kauf von elf zusätzlichen F-35A-Kampfjets an – zusätzlich zur bereits bestellten Flotte von 34 Maschinen. Diese Flugzeuge sollen in den kommenden Jahrzehnten das Rückgrat der belgischen Verteidigung bilden, heißt es dort.
Diese Entscheidung stieß bei Eric Trappier, CEO von Dassault Aviation – dem Hersteller des Rafale-Kampfjets und einer der wichtigsten Akteure auf französischer Seite des FCAS – auf wenig Verständnis. Er hält es für unverständlich, dass Belgien einerseits das europäische Rüstungsprojekt unterstützen will, gleichzeitig aber amerikanische Kampfjets bestellt.
Bei einem Quartalstreffen seines Unternehmens äußerte Trappier seinen Unmut öffentlich: „Wenn Belgien von der Idee abrückt, F-35 zu kaufen, wären sie willkommen“, sagte er. „Wenn nicht, machen sie uns wirklich lächerlich.“ Trappier ist der Auffassung, dass der lokale Ankauf von Rüstungsgütern eine entscheidende Voraussetzung für die Teilnahme an einem Rüstungsprogramm sei.
Trappier kritisiert auch die bisherige Führung des FCAS. Seiner Meinung nach sei das Programm schon mit den derzeitigen Kernpartnern Frankreich, Deutschland und Spanien außergewöhnlich komplex. Zusätzliche Partner würden die Verhandlungen und den Fortschritt nur weiter erschweren und verzögern. Wenn sich daran nichts ändere, wolle er „allein weitermachen“, so Trappier.
Es ist nicht das erste Mal, dass sich Trappier gegen eine belgische Mitgliedschaft im FCAS ausspricht. „Ich sehe nicht ein, warum ich heute den Belgiern Arbeit geben sollte“, sagte er bei einer Anhörung im französischen Senat im Mai 2023. Damals fügte er hinzu, dass er sich dagegen wehren würde, sollte ihm eine Beteiligung Belgiens „aufgezwungen“ werden.
Wogen glätten
Letztlich hat Frankreich unter Präsident Macron jedoch der Beobachterrolle Belgiens und später der vollständigen Teilnahme zugestimmt. Hinter den Kulissen dürften klare Abmachungen getroffen worden sein – immerhin ist Eric Trappier eine einflussreiche Stimme im europäischen Verteidigungsdiskurs. Als CEO von Dassault Aviation, einem der führenden europäischen Hersteller von Kampfjets, hat er direkten Einfluss auf die Entwicklung und Produktion zukünftiger Luftkampfsysteme.
Belgiens Rolle innerhalb des FCAS-Projekts würde sich voraussichtlich hauptsächlich auf die Interoperabilität und Zusammenarbeit mit unbemannten Luftfahrzeugen (Drohnen) konzentrieren. Diese sollen mit den neuen Kampfflugzeugen der 6. Generation zusammenarbeiten können.
Sie könnten verschiedene Aufgaben übernehmen, etwa Aufklärung, elektronische Kriegsführung, Waffen tragen oder als „Loyal Wingman“ dienen, um den bemannten Jet zu unterstützen und zu schützen. Diese Drohnen sollen auch mit belgischen F-35-Kampfjets zusammenarbeiten können.
Reaktionen aus Belgien
Verteidigungsminister Theo Francken (flämische Nationaldemokraten, N-VA) weist die Kritik des Dassault-Chefs Éric Trappier entschieden zurück. „Die Regierung wird ihre Position im FCAS-Projekt evaluieren“, schreibt er auf X. „Als Gründungsmitglied der NATO und der EU, als loyaler Verbündeter und Gastgeber wichtiger Hauptquartiere müssen wir uns von arroganten Industriellen keine Belehrungen gefallen lassen.“
„Wenn die Spitze der europäischen Rüstungsindustrie Belgien nicht mehr ernst nimmt, sollte das für diese Regierung ein Weckruf sein“, reagiert die Abgeordnete Annick Ponthier (rechtsradikale Vlaams Belang). „Unser Land hinkt seit Jahren bei europäischen Kooperationen hinterher, weil die Verteidigungspolitik keinerlei strategischer Linie folgt.“
„Wir dürfen uns nicht erpressen lassen, aber inhaltlich hat Trappier unserer Meinung nach recht – wir sollten keine amerikanischen Flugzeuge mehr kaufen“, so Ponthier weiter. „Wenn Belgien sich aus dem FCAS zurückzieht, stellt es sich selbst an den Rand des größten europäischen Verteidigungsprojekts der Geschichte. Die Folge ist, dass Flandern Milliardengeschäfte entgehen – etwa weil unsere Drohnenindustrie beim FCAS-Projekt eine Rolle spielen könnte.“
