Der Vorschlag der flämischen Abgeordneten und Leuvener Stadträtin für Friedhöfe, Bieke Verlinden (Vooruit), um das sogenannte „humane Kompostieren“ als Bestattungsform zu ermöglichen, sorgt für gemischte Reaktionen. Während Gilbert Pues vom Bestattungsunternehmen Pues aus Herent den Ansatz als wenig respektvoll gegenüber Verstorbenen empfindet, spricht sich Sandra De Haes von Uitvaartzorg Op Eigen Wijze aus Schriek klar dafür aus: „So führen wir uns selbst zurück zur Natur.“
Respektlos oder zurück zur Natur? Geteilte Reaktionen auf „Kompostieren von Verstorbenen“
Beerdigung, Einäscherung oder Körperspende an die Wissenschaft – das sind derzeit die gängigen Optionen nach dem Tod. Seit Kurzem wird in einem Pilotprojekt auch die sogenannte Resomation getestet – eine Art „Wasserbestattung“, bei der der Körper in einer chemischen Flüssigkeit aufgelöst wird.
Bieke Verlinden möchte die Auswahl nun erweitern: Sie plädiert für eine Form des Kompostierens menschlicher Überreste. Dabei wird der Körper in einer speziell entwickelten Anlage gemeinsam mit organischem Material wie Laub, Heu oder Moos durch Mikroorganismen zersetzt. Nach einigen Monaten entsteht daraus nährstoffreiche Erde, die als Bodenverbesserer genutzt werden kann. Laut Verlinden ist diese Methode deutlich nachhaltiger als klassische Bestattungsformen.
Kompostieren erinnert an Gartenabfall
Doch ist die Gesellschaft bereit dafür? Gilbert Pues ist skeptisch: „Man denkt bei Kompostieren automatisch an Gartenabfälle, an einen Haufen, den man als Dünger nutzt. Ich kann mir das bei Oma oder Opa schwer vorstellen. Für mich persönlich ist das nicht sehr respektvoll.“
Vor rund 30 Jahren stieß die Feuerbestattung ebenfalls auf Widerstand. Heute aber ist sie weit verbreitet. „Das stimmt“, sagt Pues, „aber mit Asche wird sehr sorgfältig umgegangen. Sie ist rückverfolgbar, und die Angehörigen haben viele Möglichkeiten, was sie damit tun können – verstreuen, in einer Urne aufbewahren, zu Hause behalten oder sogar in ein Schmuckstück einarbeiten.“
Beim Kompostieren hingegen fehle diese Kontrolle, meint er.
„Die natürlichste Form des Abschieds“
Sandra De Haes sieht das ganz anders. Für sie ist das Kompostieren eine besonders schöne Idee: „Es ist die reinste Form, mit der Natur verbunden zu bleiben. Viele meiner Kundinnen und Kunden suchen genau das – einen Abschied, der zu einem bewussten, nachhaltigen Leben passt.“
Sie berichtet von Menschen, die sich für kurze Lieferketten, ökologische Lebensweisen und Technikverzicht entscheiden – und auch im Tod konsequent bleiben wollen. „Viele empfinden es als tröstlich, der Natur wieder etwas zurückzugeben.“
In Flandern gibt es bereits Naturfriedhöfe, auf denen Verstorbene in biologisch abbaubaren Särgen oder Urnen ohne Grabsteine beigesetzt werden. Beim humanen Kompostieren werde dieser Prozess noch beschleunigt, erklärt De Haes.
