Die belgische Eisenbahngesellschaft NMBS hat bestätigt, dass der spanische Zughersteller CAF den Zuschlag für den Großauftrag zur Erneuerung eines Großteils der Zugflotte erhält – und nicht der französische Konzern Alstom, der ebenfalls im Rennen war.
Belgische Bahn vergibt Großauftrag an spanischen Hersteller CAF – Alstom geht leer aus
Der Rahmenvertrag umfasst zunächst Züge mit insgesamt 54.000 Sitzplätzen. Bis 2034 sollen bis zu 600 neue Triebzüge geliefert werden – mit einem geschätzten Gesamtvolumen von 1,7 bis 3,4 Milliarden Euro. Der Auftrag gilt als einer der größten in der Geschichte der belgischen Bahn. Auch batteriebetriebene Züge zur Ablösung von Dieselzügen sind Teil des Pakets.
Entscheidung nach Prüfung durch den Staatsrat
Bereits im Februar hatte sich die NMBS für CAF entschieden, doch der belgische Staatsrat hatte die Entscheidung wegen mangelnder Transparenz vorübergehend gestoppt. Nun wurde CAF erneut als bevorzugter Anbieter bestätigt – unter Berücksichtigung der rechtlichen Einwände.
Alstom und Siemens nicht berücksichtigt – Sorge um Standort Brügge
Alstom Benelux, mit Standorten in Charleroi und Brügge, hatte sich ebenfalls beworben, wurde aber nicht berücksichtigt – ebenso wenig wie Siemens. Die Gewerkschaften sprechen von einem „Todesstoß“ für das Werk in Brügge, wo rund 600 Mitarbeitende beschäftigt sind.
Auch politisch sorgt die Entscheidung für Kritik: MR-Präsident Georges-Louis Bouchez warnte auf X (ehemals Twitter), dass Belgien seine letzten industriellen Standorte verlieren könnte, und stellte die Governance der SNCB infrage.
Vertrag mit dem belgischen Staat
In ihrer Mitteilung erinnert die NMBS an den Kontext des öffentlich-rechtlichen Dienstleistungsvertrags 2023–2032, der im Dezember 2022 mit dem belgischen Staat abgeschlossen wurde. Dieser sieht vor, dass bis zum Ende dieses Zeitraums 50 Prozent der Zugflotte der belgischen Bahn erneuert werden. Ziel ist es, dem erwarteten Anstieg der Fahrgastzahlen gerecht zu werden, den Komfort für die Kundinnen und Kunden zu verbessern und veraltetes, störanfälliges Rollmaterial durch flexiblere und energieeffizientere Züge zu ersetzen. „Die termingerechte Lieferung neuer Triebzüge ist in diesem Zusammenhang von größter Bedeutung“, betont das Bahnunternehmen am Mittwoch.
