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Flämische Regierung und öffentlich-rechtlicher Rundfunk VRT einigen sich auf neuen Verwaltungsvertrag

Die flämische öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt VRT und die flämische Regionalregierung haben sich auf einen neuen Verwaltungsvertrag für die kommenden fünf Jahre geeinigt. Im Mittelpunkt stehen dabei Zuverlässigkeit, Zugänglichkeit und ein starkes Programmangebot für Kinder und Jugendliche. Auch beim heiklen Thema der Werbeeinnahmen konnte ein Kompromiss erzielt werden. Die Gewerkschaften zeigen sich unzufrieden und schließen Protestaktionen nicht aus. 

Jens Van Reet
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Aktualisiertupdate:

Die neue Vereinbarung legt den Kurs der VRT bis einschließlich 2030 fest. Sie definiert den konkreten Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und gibt vor, mit welchen finanziellen Mitteln dieser rechnen kann.

Ein zentrales Schlagwort der neuen Vereinbarung ist „Vertrauen“. „In einer Welt voller Desinformation, Künstlicher Intelligenz und globaler Medienkonzerne bleibt die VRT als Haus des Vertrauens bestehen“, heißt es. Konkretes Ziel: 70 Prozent der Flamen sollen der VRT und VRT NWS vertrauen.

In diesem Zusammenhang soll die VRT eine führende Rolle im Kampf gegen Desinformation übernehmen – durch Faktenchecks, Bildverifikation und Medienkompetenz, mit besonderem Fokus auf Jugendliche und verletzliche Gruppen.

Ein Ziel ist, jährlich mehr als 15 investigativ-journalistische Projekte umzusetzen. Auch das Kinderprogramm soll qualitativ hochwertig bleiben und zur Sprachentwicklung, gesellschaftlichen Teilhabe sowie zur digitalen Resilienz beitragen. Für die Kleinsten soll es reizarmen Content geben.

Förderung flämischer Sprache und Kultur

Das VRT-Angebot soll breit, vielfältig, inklusiv und barrierefrei sein – mit Untertiteln, Audiodeskriptionen und flämischer Gebärdensprache. Im Sportbereich sollen Frauensport, Behindertensport und weniger populäre Disziplinen 30 Prozent des Sporza-Angebots ausmachen. Ziel ist es, wöchentlich 85 Prozent der flämischen Bevölkerung zu erreichen.

Die Vereinbarung unterstreicht auch die Bedeutung der flämischen Kultur und der niederländischen Sprache. Sie erwartet eine enge Zusammenarbeit mit dem flämischen Mediensektor und fordert die VRT zu technologischem Fortschritt – etwa im Bereich künstlicher Intelligenz – auf.

Was die interne Organisation betrifft, verlangt die Regierung mehr Aufmerksamkeit für das Wohlbefinden der Mitarbeitenden sowie für Aus- und Weiterbildung. Auch Nachhaltigkeit soll stärker berücksichtigt werden.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter.)

VRT-Chef Delaplace, Medienministerin Van Achter (N-VA) und VRT-Vorstandsvorsitzende Brepoels (N-VA) unterzeichnen den neuen Vertrag

Online-Werbung als neue Einnahmequelle

Finanziell muss die VRT bis 2030 weitere 16 Millionen Euro einsparen – ohne betriebsbedingte Kündigungen. Gleichzeitig bleibt die öffentliche Förderung – sie macht rund 60 Prozent der Einnahmen aus – stabil. In der umstrittenen Frage der Werbeobergrenze wurde ein Kompromiss erzielt.

Die Regierung hatte eine Obergrenze von 87 Millionen Euro festgelegt, um kommerzielle Sender nicht zu sehr zu benachteiligen. Doch durch sinkende Radiowerbeeinnahmen kann die VRT dieses Limit ohnehin nicht mehr erreichen.

Deshalb richtet sich der Blick verstärkt auf Online-Werbung, wo noch Wachstum möglich ist. „Allerdings war die VRT bislang durch zahlreiche Regeln eingeschränkt, sodass diese Einnahmen relativ gering blieben“, erklärte VRT-NWS-Journalist Steven Rombaut im Sender Radio 1. Die VRT wollte diese Regeln lockern – nicht, um mehr Werbeeinnahmen zu erzielen, sondern um das gesetzte Limit überhaupt wieder erreichen zu können.

Ein Beispiel ist die Plattform VRT MAX. Dort sehen Nutzer beim Start eines Programms eine sogenannte „Preroll“-Werbung. Die VRT hatte beantragt, auch „Midrolls“ – also Werbeunterbrechungen innerhalb des Programms – zeigen zu dürfen. Darauf konnte man sich jedoch nicht einigen. Stattdessen darf die VRT künftig deutlich mehr Einnahmen aus digitalen Werbeformaten generieren. Sollte das nicht ausreichen, um die Werbeobergrenze zu erreichen, muss die flämische Regierung Maßnahmen ergreifen, um das Defizit auszugleichen. Nach dem ersten Jahr wird dies evaluiert.

Gewerkschaften: „Die Zitrone lässt sich nicht weiter auspressen“

Die gemeinsame Gewerkschaftsfront der VRT hat eine negative Stellungnahme zur Vereinbarung abgegeben und schließt Protestaktionen nicht aus. Besonders besorgt zeigen sich die Gewerkschaften über zusätzliche Einsparungen in Höhe von 16 Millionen Euro, die auferlegt werden. „Eine Mitarbeiterbefragung hat gezeigt, dass es viele Beschwerden über Stress und Arbeitsdruck gibt. Noch mehr zu sparen ist keine Lösung. Die Zitrone lässt sich nicht weiter auspressen“, heißt es seitens der christlichen Gewerkschaft.

In den kommenden Wochen wollen sich die Gewerkschaften über mögliche Aktionen beraten. „Dabei wird keine Option ausgeschlossen“, heißt es.

Die neue Vereinbarung enthalte mehrere „Knackpunkte“ für die Gewerkschaften, erklärt Wies Descheemaeker von der sozialistischen Gewerkschaft ACOD. Neben den Einsparungen stößt vor allem der Fokus auf Marktkonformität auf Widerstand. „Marktkonform ist für uns niemals die Norm“, so der Gewerkschafter.

Außerdem sei laut Gewerkschaften auch von Lohnzurückhaltung in der Vereinbarung die Rede. „Das bedeutet letztlich, dass der soziale Dialog ausgehebelt wird“, kritisiert Descheemaeker weiter.

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