Fast ein Drittel aller Wildbienenarten in Flandern ist bedroht oder gefährdet. Das geht aus der ersten flämischen Roten Liste für Wildbienen hervor, die die Umweltbewegung Natuurpunt in Dilsen-Stokkem (Provinz Limburg) vorgestellt hat. Außerdem zeigt die Liste, dass bereits zehn Prozent der einheimischen Wildbienenarten aus Flandern verschwunden sind.
Erste Rote Liste für Wildbienen: Fast jede dritte Art in Flandern bedroht
Natuurpunt bezeichnet die Ergebnisse der Erhebung als „besorgniserregend“. Flanderns Umweltminister Jo Brouns (CD&V) spricht von einem „Weckruf“.
Die Rote Liste zeigt, welche Arten gefährdet sind und welche Schutzmaßnahmen notwendig sind, um die Bestäuber zu erhalten. Es ist das erste Mal, dass Natuurpunt gemeinsam mit dem Institut für Natur- und Forstforschung (INBO) eine solche Übersicht für Wildbienen in Flandern erstellt hat.
Demnach sind bereits 10 Prozent der Arten (35 Arten) ausgestorben. 30 Prozent (101 Arten) gelten als bedroht oder gefährdet. Weitere 12 Prozent (40 Arten) sind potenziell gefährdet. 44 Prozent (148 Arten) gelten derzeit als ungefährdet, während über 5 Prozent (16 Arten) zu wenig Informationen vorliegen.
Weniger Bienen in der Natur, mehr in Städten
Auffällig: Die Wildbienenbestände gehen vor allem in natürlichen Lebensräumen wie Heideflächen, Wiesen, Wäldern und Küstengebieten zurück. In Städten hingegen nehmen manche Populationen zu, weil sich einige Arten gut an urbane Bedingungen angepasst haben.
Die Rote Liste liefert Naturschutzorganisationen nun eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für gezielte Schutzmaßnahmen. „Endlich haben wir eine Liste, die auf international anerkannten Methoden basiert“, sagt Samuel De Rycke von der Wildbienen- und Wespenarbeitsgruppe bei Natuurpunt. „Jetzt wissen wir konkret, welche Arten in Flandern wirklich gefährdet sind, und müssen uns nicht mehr auf Bauchgefühle verlassen. Dadurch können wir gezielt handeln.“
Die Daten liegen vor – nun sei es höchste Zeit zu handeln, betont auch Natuurpunt. Für Umweltminister Jo Brouns ist die Liste ebenfalls ein Weckruf: „Bienen sind unverzichtbar für unsere Ökosysteme und die Lebensmittelproduktion. Deshalb haben wir einen konkreten Aktionsplan ausgearbeitet, um ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken. Dass heute fast die Hälfte aller Arten bedroht ist, ist ein klares Alarmsignal.“
Mehr Blumen, weniger Pestizide
„Ganz konkret brauchen wir mehr blühende Pflanzen und geeignete Lebensräume für Wildbienen“, so Brouns weiter. „Zudem müssen wir bewusster mit Pflanzenschutzmitteln umgehen und Landwirtschaft und Naturschutz besser miteinander verbinden. Flandern nimmt diese Herausforderung ernst – und dieser Schritt ist entscheidend, um unsere Bestäuber besser zu schützen.“
Neben politischen Maßnahmen kann aber auch jeder Einzelne einen Beitrag leisten. Natuurpunt ruft dazu auf, im eigenen Garten wilde Pflanzen und Blumen zu pflanzen und auf Pestizide zu verzichten. „Außerdem kann man an unserem Projekt ‚Insekten-Sommer‘ teilnehmen“, erklärt De Rycke. „Mit unserer App ObsIdentify kann man Bienen im eigenen Garten scannen und sehen, welche Arten in der Umgebung vorkommen.“
