Frank Raeman (58) aus Lievegem in Ostflandern ist mit einem slowakischen Militärorden ausgezeichnet worden – für die Aufklärung eines jahrzehntelangen Rätsels um das einzige slowakische Grab auf dem Canadian War Cemetery im belgischen Adegem. Der dort begrabene Kampfpilot war über Jahrzehnte hinweg falsch identifiziert worden. Erst durch Raemans akribische Recherchen konnte dem Grab schließlich der richtige Name zugewiesen werden: Otto Smik.
Hobbyhistoriker löst Rätsel um einziges slowakisches Soldatengrab in Adegem (Ostflandern) und wird mit Militärorden ausgezeichnet
Was als kindliche Neugier eines Zwölfjährigen begann, wurde zu einem Lebenswerk. Seit 46 Jahren sucht Raeman nach Spuren von Gefallenen des Zweiten Weltkriegs und rekonstruiert ihre Lebensgeschichten. Für seine Arbeit erhielt er bereits zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem aus Deutschland, Italien und Kanada. Der slowakische Militärorden ist nun seine achte Ehrung.
„Als ich in Adegem das einzige tschechoslowakische Grab sah, wusste ich sofort, dass sich dahinter eine Geschichte verbirgt“, berichtet Raeman. Die anonyme Grabplatte ließ ihn nicht los – eine 15 Jahre dauernde Spurensuche begann.
Otto Smik: Ein Pilot ohne Namen
Otto Smik wurde in Bratislava geboren und floh mit seiner Familie nach England, um dem NS-Regime zu entkommen. Er trat der Royal Air Force Volunteer Reserve bei und stieg rasch zum Offizier auf. Mit 16 abgeschossenen feindlichen Flugzeugen zählte er zu den erfolgreichsten Piloten im Dienste der Briten.
Am 28. November 1944 nahm Smik an einem Bombenangriff über dem niederländischen Zwolle teil. Seine Spitfire wurde von deutscher Flak getroffen. Er versuchte eine Notlandung, überlebte den Absturz jedoch nicht. Sein Leichnam wurde zwar geborgen, jedoch nicht korrekt identifiziert.
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Ein Irrtum mit jahrzehntelanger Wirkung
Ein belgisches Ermittlungsteam hielt den Toten im Jahr 1945 fälschlicherweise für den belgischen Piloten Henri Taymans, der bei derselben Mission ums Leben gekommen war. Smik wurde daraufhin unter Taymans Namen auf dem Ehrenfriedhof in Evere bei Brüssel beigesetzt.
Erst 1967 – bei Arbeiten an der Bahnstrecke nahe Zwolle – wurden die Überreste von Taymans Flugzeug entdeckt. Dank Bordunterlagen konnte eindeutig belegt werden, dass Taymans dort abgestürzt war. Der in Evere begrabene Pilot war also jemand anderes. Nach der korrekten Identifizierung wurde Smik schließlich auf den Canadian War Cemetery in Adegem umgebettet. Doch erst nach der Gründung der Slowakischen Republik im Jahr 1994 wurde seine Geschichte auch in seiner Heimat offiziell anerkannt.
Langjährige Pflege und internationale Anerkennung
Raeman pflegte das Grab viele Jahre lang persönlich und nahm Kontakt zu Smiks Angehörigen auf. Er half ihnen, Antworten auf Fragen zu finden, die über ein halbes Jahrhundert unbeantwortet geblieben waren.
Für dieses außergewöhnliche Engagement wurde ihm nun offiziell Anerkennung zuteil. Der slowakische Botschafter Tomáš Kozák überreichte Raeman persönlich die militärische Auszeichnung. „Dass die Botschaft mit so großer Delegation anwesend ist, zeigt, welchen nationalen Wert Franks Arbeit für uns hat“, betonte Bürgermeisterin Kim Martens während der Ehrung. „Er ist weit mehr als ein Amateurhistoriker. Er schlägt Brücken zwischen Generationen, die den Krieg nicht selbst erlebt haben, aber dennoch seine Folgen spüren.“
Erst im Oktober letzten Jahres war Raeman mit einem deutschen Orden für die Entdeckung von neun vermissten Soldaten geehrt worden. 2023 erhielt er den italienischen Orden Stella d’Italia – die zweithöchste Auszeichnung, die ein Ausländer in Italien erhalten kann. Jahr für Jahr legt Raeman außerdem Blumen an den Gräbern der Gefallenen auf dem Ehrenfriedhof in Adegem nieder – eine stille Geste des Respekts, die über Grenzen hinaus wirkt.
