Ein mittelalterliches Dokument, das während des Ersten Weltkriegs von einem deutschen Soldaten gestohlen wurde, ist an das Staatsarchiv in Brügge zurückgegeben worden. Ein Mann aus Deutschland fand das Dokument in einem Haus, das er gekauft hatte und versuchte zunächst, es zu verkaufen. Der Brügger Staatsarchivar reiste nach Stuttgart, um den Mann anonym in einer Hotellobby zu treffen.
Anonymer Deutscher gibt ein 1914 gestohlenes mittelalterliches Dokument an das Brügger Staatsarchiv zurück
Staatsarchivar Hendrik Callewier erhielt eine E-Mail von einem Deutschen, der seinen Namen nicht nennen wollte und der ein wichtiges Dokument aus den Jahren 1433-1438 aus der Abtei von Mesen in Westflandern gefunden hatte. Er wollte es für mindestens 20.000 € verkaufen. „Wir wissen, dass die Abtei während des Ersten Weltkriegs von den Deutschen vollständig geplündert wurde“, so Callewier: "Wir haben ihm geantwortet, dass das Dokument Eigentum des belgischen Staates ist und dass es illegal wäre, es zu verkaufen.
Monatelang geschah nichts, bis der Verkäufer plötzlich seine Meinung änderte. „Er schrieb, dass er einen Gewissenskonflikt habe“, so Callewier: "Er wollte das Dokument schließlich stiften, aber es musste anonym geschehen. Seine E-Mail Adresse war anonym. Er stellte sich nur als Herr Robert vor. Er wollte sich mit mir an einem bestimmten Tag und zu einer bestimmten Uhrzeit in einer Hotellobby in Stuttgart treffen. Ich beschloss, das Risiko einzugehen und dorthin zu fahren.“
Callewier schickte ein Foto von sich per E-Mail, damit der Mann ihn erkennen konnte. "Und tatsächlich, kurz vor 18 Uhr, zur vereinbarten Zeit, betrat ein Mann mittleren Alters mit einer Aktentasche die Lobby. Er sprach mich mit den Worten ‚Sind Sie Herr Callewier?‘ an. Und dann holte er das mittelalterliche Register aus seiner Aktentasche. Am Ende unterhielten wir uns noch eine Weile."
(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)
Der Mann stellte sich als Herr Robert vor, was sich als sein richtiger Name herausstellte. Er hatte die Dokumente in seinem neuen Haus gefunden, nachdem er dieses bei einer öffentlichen Versteigerung erworben hatte. Der Vorbesitzer hatte Schulden, war spurlos verschwunden und hatte alles zurückgelassen. Der Mann war der Meinung, dass er zu viel für das Haus bezahlt hatte, also versuchte er, die Dokumente zu verkaufen, um einen Teil des Geldes zurückzubekommen.
Über Experten und Auktionshäuser erfuhr er, dass die Urkunde aus Mesen oder Messines stammte und nicht aus Messina auf Sizilien, wie er zunächst angenommen hatte. „Anhand der Fotos des Dokuments, die er in seiner ersten E-Mail schickte, wussten wir sofort, worum es sich handelte“, erzählte Archivar Callewier: "Es handelt sich um Berichte aus den 1430er Jahren. Das mag langweilig klingen, ist aber von großer historischer Bedeutung. Sie sagen viel über die Geschichte der Region und des Klosters aus."
Mesen wurde im Jahr 1914 zerstört. Deutsche Soldaten brachten die Manuskripte aus den Ruinen der Abtei zurück nach Deutschland und Archivare versuchen, so viele wie möglich zu retten: „Manchmal brauchen wir ein bisschen Glück, wie in diesem Fall“.
