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Letztes Jahr 184 Schießereien in Belgien: Mehr als 100 Verletzte oder Tote - Brüssel als Hotspot

Im Jahr 2024 wurden in Belgien 184 kriminelle Vorfälle mit Waffengewalt gemeldet Die überwiegende Mehrheit davon wurde in Brüssel registriert. Dabei gab es mindestens 21 Todesopfer und rund 80 Verletzte. Zu diesem Ergebnis kommt das Flämische Friedensinstitut, das eine neue Methode zur Aufzeichnung von Vorfällen mit Schusswaffen entwickelt hat. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Das Flämische Friedensinstitut hat eine Untersuchung zu Vorfällen mit Schusswaffengebrauch durchgeführt, weil die effektive Zahl der Schusswaffenvorfälle in Belgien sehr unklar ist. Das liegt daran, dass es keine offizielle Datenbank gibt, in der alles festgehalten wird. Deshalb hat das Friedensinstitut den „Gun Violence Incident Monitor“ (GVIM) entwickelt, bei dem Künstliche Intelligenz (KI) Hunderte von Medienquellen in der Europäischen Union durchsucht. Auf dieser Grundlage wurden die Zahlen in dieser Studie ermittelt.  

Mithilfe von KI und menschlicher Kontrolle

"Wir haben in früheren Studien festgestellt, dass es nur sehr wenige gute Zahlen über Schusswaffengewalt in Europa gibt. Es ist schwierig, gute Vergleiche anzustellen", sagte die Forscherin Astrid De Schutter vom Flämischen Friedensinstitut dazu gegenüber VRT NWS: "Deshalb haben wir im Auftrag der Europäischen Kommission zusammen mit unserem Technologiepartner einen ‚Gun Violence Incident Monitor‘ entwickelt. Damit werden Medienartikel in allen 27 EU-Mitgliedsstaaten nach Vorfällen von Schusswaffengewalt durchsucht. Dafür nutzen wir Künstliche Intelligenz. Die Ergebnisse werden aber auch von Menschen überprüft. Wir hoffen, dies in den kommenden Jahren fortsetzen zu können, um eine gute Datenbank zu entwickeln."

Eher drohen als schießen

Der GVIM zeigt, dass es im vergangenen Jahr belgienweit 184 Vorfälle mit einer Schusswaffe gab. Diese forderten rund 80 Verletzte und mindestens 21 Todesopfer. Nicht nur die Zahl der Vorfälle ist hoch - auffällig ist- auch, dass in 65 % der Fälle tatsächlich geschossen wurde. "Aus früheren Untersuchungen lernen wir gerade, dass die Mehrheit des Schusswaffengebrauchs nicht tödlich ist und hauptsächlich zur Bedrohung eingesetzt wird", so das Flämische Friedensinstitut.

Brüssel als Hotspot

Bei näherer Betrachtung der Gesamtzahlen wird deutlich, dass Brüssel mit 71 registrierten Vorfällen ein Hotspot ist. "Die hohen Zahlen stehen in engem Zusammenhang mit der dortigen Drogengewalt", heißt es in der Studie: "In diesem Zusammenhang führen sie in Brüssel am häufigsten zu Verletzungen und sogar zu Todesfällen." Insgesamt ereigneten sich in Brüssel fast 40 % aller registrierten Schusswaffenvorfälle, etwa die Hälfte aller Schießereien, etwa die Hälfte aller Verletzungen und mehr als 60 % aller Todesfälle durch Schusswaffengewalt in Belgien.

Provinz Antwerpen

In der Provinz Antwerpen, die auch als Brennpunkt für Drogengewalt bekannt ist, wurden 29 Vorfälle mit Schusswaffengebrauch, aber nur in 34 % der Fälle wurden tatsächlich geschossen. "Der Drogenhandel in Antwerpen ist hauptsächlich mit Geschäften verbunden. Im Gegensatz zur Gewalt im Zusammenhang mit dem Verbrauchermarkt wollen kriminelle Drogenorganisationen die Gewalt hier im Allgemeinen begrenzen, um möglichst wenig polizeiliche Aufmerksamkeit zu erregen", so das Flämische Friedensinstitut als mögliche Erklärung. 

Krimineller Kontext

Der Studie zufolge findet der größte Teil der Schusswaffengewalt in Belgien im kriminellen Kontext statt, z. B. bei bewaffneten Raubüberfällen (42), Drohungen und Streitigkeiten (36) und Vorfällen im Zusammenhang mit dem Drogenmilieu sowie Bandengewalt (25). Auffallend ist, dass bei bewaffneten Raubüberfällen nicht sehr oft geschossen wird. Anders verhält es sich bei Schusswaffenvorfällen im Zusammenhang mit Drogen- und/oder Bandengewalt. In 92 % der Fälle wird die Waffe tatsächlich eingesetzt, was zu den meisten Todesfällen und Verletzungen in diesem Zusammenhang führte.

(Junger) Mann als Täter, (junger) Mann als Opfer

Laut dem GVIM war in allen 184 Fällen ein (junger) Mann die waffenführende Person - und damit kein einziges Mal eine Frau. Fast 70 % der Täter waren jünger als 35 Jahre. Mehr als die Hälfte der Opfer ist jünger als 35 Jahre: "Vor allem bei Vorfällen, bei denen nicht geschossen, sondern nur gedroht wurde, scheinen die Opfer relativ häufig minderjährig oder über 50 zu sein." Ebenfalls auffällig: Kein weiblicher Täter, aber 16 % der Opfer waren Frauen oder Mädchen. "Innerfamiliäre Gewalt ist die einzige Kategorie, in der die Zahl der weiblichen Opfer höher ist als die der männlichen", so Astrid De Schutter vom Flämischen Friedensinstitut. 

"Schwerpunkt auf der Erforschung der Herkunft von Schusswaffen"

Alles Zahlen, aus denen sich die Frage ergibt: Wie kann man so etwas angehen? "Es ist wichtig, Schusswaffengewalt zu einer ständigen Priorität zu machen", so De Schutter, "vor allem angesichts der hohen Zahl der Vorfälle. Der Koalitionsvertrag (der belgischen Bundesregierung - Red.) legt einen Schwerpunkt auf die Registrierung und Überprüfung der Herkunft von Schusswaffen. In der Vergangenheit wurden Schusswaffen als 'Beifang' betrachtet, aber es ist wichtig, sich darauf zu konzentrieren und so die Quelle illegaler Schusswaffen zu bekämpfen. Dazu sind natürlich auch ausreichende Ressourcen notwendig."

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