Immer mehr Flamen lassen ihre Schenkungen offiziell über einen Notar registrieren. Das geht aus aktuellen Zahlen des Verbands der belgischen Notare hervor. Grund dafür sind vermutlich die neuen Regeln zur Erbschaftssteuer, die seit Januar in Kraft sind. „Manchmal müssen wir die Menschen sogar etwas bremsen. Zu schnell zu schenken, ohne finanzielle Rücklagen zu behalten, ist keine gute Idee“, warnt Bart van Opstal, Verbandssprecher.
In der ersten Jahreshälfte stieg die Zahl der registrierten Schenkungen von beweglichem Vermögen um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Dieser Anstieg sei erwartbar gewesen, sagt van Opstal: „Früher musste der Schenker noch drei Jahre nach der Schenkung am Leben bleiben, damit keine Erbschaftssteuer anfiel. Seit dem 1. Januar 2025 gilt nun eine Frist von fünf Jahren. Dadurch ist die Registrierung einer Schenkung beim Notar deutlich attraktiver geworden.“
Was sind bewegliche Güter?
Bewegliche Güter sind Dinge, die man physisch verschieben kann – etwa Geld, Schmuck, Möbel, Wertpapiere oder Kunstwerke. Solche Güter kann man grundsätzlich einfach verschenken, ohne das registrieren zu lassen – und ohne sofort Steuern zu zahlen. Doch das birgt ein Risiko: Stirbt der Schenker innerhalb von fünf Jahren, wird die Schenkung als Teil des Nachlasses betrachtet und unterliegt der Erbschaftssteuer.
Wer dieses Risiko vermeiden möchte, kann eine registrierte Schenkung über den Notar vornehmen. In diesem Fall wird zwar eine Schenkungssteuer fällig, doch diese liegt meist deutlich unter der Erbschaftssteuer – insbesondere bei größeren Beträgen.
Unbewegliche Güter – wie etwa Immobilien oder Grundstücke – können hingegen nicht ohne notarielle Beurkundung übertragen werden. Eine Schenkung in diesem Bereich ist automatisch steuerpflichtig.
Mehr Interesse an Bedingungen
Neben den steuerlichen Aspekten könnte es weitere Gründe für den Anstieg geben. „Wir stellen fest, dass immer mehr Menschen bestimmte Bedingungen an ihre Schenkung knüpfen wollen“, erklärt van Opstal. „Das betrifft etwa die Verwendung des Geldes oder die Absicherung, dass sie im Bedarfsfall Unterstützung erhalten.“
Ein weiterer Vorteil der notariellen Registrierung: Eine solche Schenkung kann im Nachhinein nicht von anderen Personen angefochten werden.
Doch van Opstal warnt auch: „Eine Schenkung ist nicht immer die beste Lösung. Manche Menschen sind übereifrig. Wer zu früh zu viel verschenkt, ohne genug für sich selbst zurückzubehalten, geht ein Risiko ein. Man sollte immer sicherstellen, dass man über ausreichende Mittel verfügt – etwa für medizinische oder pflegerische Ausgaben im Alter.“
