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Belgien: Vier Jahre nach den Überschwemmungen warnen die Versicherer vor möglichem Chaos nach einer neuen Katastrophe

Fast vier Jahre nach den verheerenden Überschwemmungen vom Juli 2021 sind fast alle Schäden reguliert. Insgesamt haben die Versicherer mehr als 2 Mia. € an Schadensersatz ausgezahlt. Der Dachverband des belgischen Versicherungswesens, Assuralia, warnt jedoch davor, dass im Falle einer weiteren Natur- bzw. Klimakatastrophe aufgrund des fehlenden Rechtsrahmens ein Chaos droht.

Andreas Kockartz Belga
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Am 14. Juli 2021 schlug eine „Wasserbombe“ in mehreren wallonischen Provinzen ein, wobei Lüttich, Namür und Luxemburg am stärksten betroffen waren. In Flandern suchten die Wassermassen vor allem die Voeren-Region in der Provinz Limburg heim. Der Schwerpunkt lag im Tal der Weser in der Provinz Lüttich, wo mehrere Stadtzentren zerstört wurden. 39 Menschen kamen dabei ums Leben. Auch die materiellen Schäden waren enorm: 45.000 bis 55.000 Häuser wurden beschädigt.

Seitdem hat die Versicherungswirtschaft 73.790 Schadensfälle bearbeitet. Davon wurden 96,2 % vollständig entschädigt und abgeschlossen. In 2,8 % der Fälle wurden bereits 80 % der Schadensumme ausgezahlt. Nur 1 % der Fälle ist noch nicht abgeschlossen, vor allem bei großen Einrichtungen. Zusätzlich zu den bereits ausgezahlten 2,24 Mia. € rechnet die Branche mit weiteren 67 Mio. € an Auszahlungen.

Die Katastrophe löste eine Debatte darüber aus, inwieweit die Versicherer für Klimaschäden haften müssen. Bis 2021 mussten die Versicherer Schäden bis zu einer gesetzlichen Obergrenze von etwa 360 Mio. € entschädigen. Den Restbetrag steuerte der Staat bei. Aufgrund des außergewöhnlichen Ausmaßes der Katastrophe im Juli 2021 einigten sich die Regierung und die Versicherer darauf, diese Obergrenze auf 1,8 Mia. € anzuheben.

Rechtsrahmen?

Die Regierung setzte daraufhin eine Arbeitsgruppe ein, um den Rechtsrahmen für die Haftung bei neuen Klimakatastrophen zu reformieren. Vier Jahre später ist diese Diskussion jedoch ins Stocken geraten. Assuralia warnt vor einem Chaos im Falle einer neuen Katastrophe, da unklar ist, wer für Schäden oberhalb der Obergrenze von 1,8 Mia. € aufkommen wird.

Im Jahr 2021 einigten sich die Regierung und die Versicherer auf eine einmalige Regelung, wonach die Versicherer alle Schäden, die über die Obergrenze hinausgehen, zum Nulltarif vorstrecken.

Assuralia plädiert nun für ein Stufensystem: Nach einer anfänglichen Obergrenze würden die Regionen einspringen, gefolgt von der föderalen Regierung oder der Europäischen Union. Laut Assuralia-CEO Hein Lannoy ist eine solche Öffentlich-Private Partnerschaft (PPP, Public Private Partnership) im Koalitionsvertrag der Regierung De Wever enthalten, aber die konkreten Einzelheiten bleiben unklar.

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