Das Strafvollstreckungsgericht der Provinz Ostflandern ermöglicht dem Sechsfachmörder Freddy Horion (77, Foto) zum ersten Mal seit 45 Jahren, dass er das Gefängnis verlassen darf. Allerdings ist dies nur eine befristete Erlaubnis. Horion, der vor 45 Jahren eine Geschäftsbetreiberin umbrachte und danach eine ganze Familie auslöschte, gilt als einer der ältesten und bekanntesten Häftlinge Belgiens. 1980 wurde er zum Tode verurteilt, woraus eine effektive lebenslange Haftstrafe wurde.
Der Sechsfachmörder Freddy Horion darf zum ersten Mal seit 45 Jahren das Gefängnis verlassen
2018 entschieden Fachleute, dass Horion eigentlich nicht mehr in einem Gefängnis sitzen sollte. Man solle ihn eher in eine psychiatrische Anstalt bringen, in der er begleitet werden könne. Jetzt bekommt er die Möglichkeit, eine solche Einrichtung für sich zu finden und darf deshalb eine Zeit lang „raus“. Allerdings muss sich eine psychiatrische Einrichtung auch dazu bereiterklären, Freddy Horion auch aufzunehmen. In den vergangenen 20 Jahren wurden alle seine Anträge auf vorzeitige Haftentlassung von den zuständigen Behörden konsequent abgelehnt und auch ein Antrag auf Sterbehilfe wegen psychischem Leiden im Gefängnis wurde negativ beschieden.
Horion ist seit mehr als 45 Jahren im Gefängnis. Neben dem „Mäusevampir“ Staf van Eyken (74), der seit 50 Jahren eingesperrt ist, ist Horion der „dienstälteste“ Häftling in Belgien. Seit Anfang der 1990er Jahre bittet er regelmäßig um Hafturlaub und stellt Anträge auf Haftentlassung. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat Belgien bereits vor zwei Jahren verurteilt, weil Horion keine realistische Aussicht auf Freilassung hat. Ein Team von Gerichtspsychiatern war zuvor zu dem Schluss gekommen, dass Horion nicht mehr gefährlich sei und eigentlich nicht ins Gefängnis gehöre.
Das Antwerpener Berufungsgericht entschied dann Ende 2023, dass Horion innerhalb von sechs Monaten aus dem Gefängnis in eine psychiatrische Einrichtung verlegt werden sollte. Doch dort ist vorerst kein Platz für ihn und der belgische Staat legte auch gegen das Urteil Berufung ein.
Freddy Horion wurde am 17. Dezember 1980 von einem Gericht in Gent zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. Horion war am 23. Juni 1979 zusammen mit seinem inzwischen verstorbenen Komplizen Roland Feneulle in das Haus des Autohändlers Roland Steyaert in Sint-Amandsberg bei Gent eingedrungen und hatte dort Vater, Mutter, die älteste Tochter und deren Verlobten sowie eine 12-jährige Tochter erschossen. Einige Monate zuvor, am 9. Februar 1979, hatte Horion auch Hélène Lichachevski, eine Ladenbesitzerin im Hafen von Gent, getötet.
