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Damals standen die herrschaftlichen Häuser noch nicht hier - Heute sind die einen Besuch durchaus wert

Brüsseler Geschichte: Ein Glas Wein aus Sint-Joost war im 15. Jahrhundert gang und gäbe

Stellen Sie sich vor, auf der Weinkarte des Restaurants stünde neben einem Barolo aus dem Piemont und einem Merlot aus Bordeaux ein Glas Wein aus Sint-Joost-ten-Noode, einer Gemeinde im Zentrum der Region Brüssel-Hauptstadt. Das ist gar nicht so abwegig, denn es gibt hier eine Weinhügelstraße, eine Weinhügel-Tram- und Bushaltestelle, Trauben im Gemeindewappen und mehrere Hinweise auf Trauben im Straßenbild. Die Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ ist dieser Geschichte in ihrer Rubrik BigCity einmal nachgegangen. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Eine Traubenallee, Weinhügel, Trauben im Wappen.... Gab es tatsächlich Weinberge in Sint-Joost? In der Tat gab es auf dem Gebiet der heute bevölkerungsreichsten Gemeinde Brüssels einst Weinberge. Die Geschichte spielt im 15. Jahrhundert, als die Stadt noch Sitz der Herzöge von Brabant war und als Sint-Joost noch keine Gemeinde mit engen Straßen und Gassen, sondern eine eher ländliche Gegend war.

"Die Herzöge hatten hier ihre Landhäuser. Einer von ihnen war der berühmte Philipp der Gute", erzählte der Lokalhistoriker Jos Laporte gegenüber BRUZZ: "Er besaß nicht irgendein gemütliches Landhaus, sondern das Schloss von Sint-Joost". Leider gibt es nur wenig Anschauungsmaterial von diesem Gebäude, obwohl eine vereinfachte Version auf dem aktuellen Gemeindewappen zu sehen ist - direkt über der Zeichnung der Weintrauben…

(Lesen Sie bitte unter dem Wappen der Gemeinde weiter)

Hier wuchs früher tatsächlich Wein

Das Wappen von Sint-Joost

Das Wappen von Sint-Joost mit dem Schloss von Philipp dem Guten oben und den Trauben unten sind geschichtliche Indizien, die auf die Weinberge hinweisen. Das  Schloss von Philipp dem Guten stand im Maelbeek-Tal, ungefähr dort, wo sich heute der Maria-Louise-Platz befindet.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Heute sind die ehemaligen Weinberge von Sint-Joost-ten-Noode ein Stadtpark mit Panoramablick

Weinbau im Tal des Maalbeeks

„Der Maalbeek, der direkt neben seinem Schloss vorbeifloss, war ein sehr mächtiger Fluss, der sich im Laufe der Jahrhunderte ein Tal in die Landschaft gegraben hatte“, so Laporte: „In der Umgebung seines Schlosses gab es sanfte Hänge, was Philipp den Guten, der in Frankreich geboren war, auf die Idee brachte, dass dort auch Weinbau betrieben werden könnte.“ Das abschüssige Gelände erwies sich als ideal für den Weinanbau. Übrigens kennen wir diesen ansteigenden Garten heute als den Hügel von Ambiorix, aber dank der Weinberge wurde er damals Weinberghügel genannt.

"Die Bewirtschaftung eines Weinbergs war eine ideale Beschäftigung für das Hofpersonal und außerdem konnte der Herzog seinen Gästen hausgemachten Wein servieren. Das Schloss blieb auch in den folgenden Jahrhunderten bestehen. Die letzten Überreste verschwanden 1927 mit der Verbreiterung der Kardinalstraße", erzählt Lokalhistoriker Laporte.

Heute ist auf dem Ambiorix-Platz kein Weinstock mehr zu finden, zumindest nicht als Teil eines Weinbergs. Dennoch sind hier und da in den Straßen von Sint-Joost Weinreben zu sehen. Vor einigen Jahren riefen die Anwohner ihre Nachbarn auf, an ihren Fassaden Weinreben zu pflanzen. So wurde eine Verbindung zu diesem Stück Geschichte der Gemeinde hergestellt. Im 15. Jahrhundert gab es auf dem Ambiorix-Platz keine Jugendstilhäuser  wie heute, sondern das Schloss von Philipp dem Guten mit einem Weinberg in der Umgebung.

Das Hotel Eetveelde von Victor Horta aus dem Jahr 1895 befindet sich in unmittelbater Nähe zum Square Ambiorix

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