Die Anhänger des Brüsseler Traditions-Fußballclubs RWDM gehen gegen die Namensänderung ihres Vereins in „Daring Brussels“ vor. In einem offenen Brief und einer Petition, die inzwischen mehrere tausend Unterschriften zählt, fordern sie den Vorstand und den US-amerikanischen Besitzer auf, den historischen Vereinsnamen beizubehalten. Um ihren Worten Nachdruck zu verleihen, veranstalten sie Ende des Monats eine Demonstration.
RWDM-Anhänger protestieren mit Petition und Demonstration gegen die Namensänderung für ihren Verein
Der US-amerikanische Geschäftsmann und Eigentümer von RWDM, John Textor, hat letzte Woche beschlossen, seinen Klub von nun an „Daring Brussels“ zu nennen und ein neues Logo einzuführen. Das internationalere „Daring Brussels“ würde im Ausland besser ankommen. Textor ist der Meinung, dass der Brüsseler Stadtteil Molenbeek im Vereinsnamen zu negativ konnotiert ist.
Die Entscheidung wurde jedoch ohne Rücksprache mit den Anhängern getroffen und erst bekannt gegeben, als bereits alles unter Dach und Fach zu sein schien. Auch die Gemeinde Molenbeek ist damit nicht einverstanden und will dem neuen Verein den Spielbetrieb im Edmond-Machtens-Stadion untersagen.
Mit einer Petition, einem offenen Brief und der Ankündigung einer Demonstration gehen die Fans jetzt gegen diese Entscheidung vor. Für sie ist RWDM nicht nur ein Name, sondern "ein Symbol für Identität und lokalen Stolz". Das schreiben sie in ihrem offenen Brief, der unter anderem von den ehemaligen Spielern Franky Vander Elst, Amaury Mabika und Hubert Cordiez unterzeichnet ist.
„RWDM existiert nicht für Amerikaner, die es nicht aussprechen können"
In dem Brief erinnern sich die Fans daran, wie der aktuelle RWDM nach jahrelangem Missmanagement im Jahr 2014 für immer zu verschwinden schien. Bis ein Jahr später die Stammnummer von Standard Wetteren (5479) übernommen werden konnte und der Verein seinen steilen Aufstieg aus der vierten Liga heraus beginnen konnte.
In ihrem Kampf um den Erhalt des Vereins gingen die Anhänger stets von drei Elementen aus: Die Heimspielstätte des Vereins musste das Edmond-Machtens-Stadion in Molenbeek bleiben, das bekannte Logo darft nicht verändert werden und vor allem dürfen die vier magischen Buchstaben RWDM, die für „Racing White Daring Molenbeek“ stehen nicht angetastet werden.
Magische vier Buchstaben
Die Fans fühlen sich nun von einem ausländischen Eigentümer ausgegrenzt, der ihrer Meinung nach kein Gefühl für die Kultur und das lokale Erbe des Vereins hat. „Dieser Verein ist nichts für Leute aus den Vereinigten Staaten, die das Wort ‚RWDM‘ nicht aussprechen können“, heißt es in dem offenen Brief. "Dieser Club ist für Leute, die stolz auf ihre Herkunft aus Molenbeek sind, anstatt zu versuchen, sie zu verbergen.
Die Fanclubs verweisen auf eine Erklärung der Eagle Football Group, der Struktur, die RWDM verwaltet, über die Verbindung zwischen Vereinen und ihren Gemeinden: „Wir glauben, dass Fußballvereine und Gemeinden untrennbar miteinander verbunden sind und dass das Eigentum an Fußballvereinen letztlich in den Händen der Öffentlichkeit liegen sollte.“ Die Fans fordern, dass diese Philosophie respektiert wird.
Keine konkreten Gespräche? Dann folgt eine Demonstration
Die RWDM-Fans wollen eine strukturelle Beteiligung an Entscheidungen über die Vereinsidentität. Die Fans bitten darum, sich mit Club-Eigner Textor zusammensetzen zu können, um die getroffenen Entscheidungen noch zu besprechen.
Am Sonntag, den 22. Juni, werden sie ihren Worten mit einer Demonstration Nachdruck verleihen. Diese beginnt um 14 Uhr im Edmond-Machtens-Stadion in Molenbeek. "Wir wollen vorankommen, wir wollen Ehrgeiz, aber niemals auf Kosten dessen, was wir sind", so die Maxime der RWDM-Anhänger.
