Im Rahmen einer groß angelegten Untersuchung, an der auch die Bevölkerung teilnahm, sind in Brüssel 72 Wasserqualitätsmessungen durchgeführt worden. Obwohl mitten in der Stadt stellte sich heraus, dass das Wasser im Brüsseler Kanal an mehreren Stellen sehr sauber ist. Dort könne man schwimmen, meint die gemeinnützige Organisation Waterland vzw.
Wasserqualität im Brüsseler Kanal überraschend gut: „Schwimmen ist denkbar“
Die Forscher haben sich auf das Vorkommen von E. coli konzentriert: ein Bakterium, das über häusliches Abwasser in unsere Flüsse gelangt und viel über den Zustand des Abwassersystems aussagt. Es weist oft auch auf andere Arten von Wasserverschmutzung hin, etwa auf Medikamentenrückstände. Auch die flämische Umweltagentur betrachtet E. coli als wichtigen Indikator für die Qualität von Badegewässern.
Über 5.000 Bürgerinnen und Bürger haben aktiv mitgeforscht
Im Zeitraum vom 24. April bis 6. Mai haben über 5.000 Bürgerinnen und Bürger Kanäle, Flüsse, Gräben oder Bäche aufgesucht, um Messungen durchzuführen. Die Untersuchung wurde von Waterland vzw, der Tageszeitung De Standaard und der KU Leuven (Universität Leuven) in Auftrag gegeben.
Ergebnisse in Brüssel überraschend positiv
In Brüssel wurden 72 Messungen durchgeführt. Im Brüsseler Kanal bei Thurn & Taxis wurden beispielsweise fünf Messungen vorgenommen – vier davon mit hervorragenden Ergebnissen. Das bedeutet, dass das Wasser zu diesen Zeitpunkten zum Schwimmen geeignet war.
In Flandern und Brüssel waren die Ergebnisse überwiegend positiv. Insgesamt sind 43,3 Prozent der Gewässer sauber genug zum Schwimmen. Besonders größere Wasserläufe in städtischen Gebieten schnitten überraschend gut ab und bieten großes Potenzial für das Freischwimmen.
Willkommen in einer Stadt ohne öffentliches Freibad
Laut Lieven Symons, Koordinator von Waterland vzw eignet sich der Brüsseler Kanal hervorragend für temporäre Schwimmtage, wie seine Vereinigung im vergangenen Sommer in mehreren flämischen Städten organisiert hat. Während der Zalige Zwemdagen sprangen rund 6.000 Menschen in Flüsse und Kanäle in Antwerpen, Brügge, Kortrijk und Turnhout.
Da die Stadt Brüssel ihr jüngstes Schwimmbadprojekt abgesagt hat, verweist Symons auf einfache und zugängliche Alternativen, um dennoch im Freien schwimmen zu können: „Für das Freischwimmen braucht man kein Millionenprojekt“, betont er.
Leider auch schlechte Nachrichten
An 42,3 Prozent der Messstellen war das Wasser verschmutzt. Das betrifft nicht nur Schwimmer, sondern schadet auch der Biodiversität und beeinträchtigt die Lebensqualität in den Städten, in denen verschmutzte Flüsse keine Abkühlung bieten. Zudem droht, dass Genehmigungen für neue Einleitungen oder Betriebserweiterungen verweigert werden, wenn die Wasserqualität nicht ausreicht – mit klaren wirtschaftlichen Folgen.
Die europäische Badegewässerrichtlinie verpflichtet Belgien, bis 2027 für saubere Gewässer zu sorgen. Flandern und Brüssel haben bereits zweimal Aufschub erhalten. Mit den aktuellen Messergebnissen in der Hand will Waterland nun die politischen Entscheidungsträger zum Handeln bewegen.
