Die Rechenzentren in Belgien könnten bis 2035 bis zu fünfmal mehr Strom verbrauchen, unter anderem aufgrund der steigenden Nachfrage nach Künstlicher Intelligenz (KI). Dies geht aus einer Studie der Boston Consulting Group hervor. KI frisst Tag und Nacht Energie. Nicht nur, wenn wir eine Frage an z.B. ChatGPT stellen, sondern auch, wenn niemand hinsieht, rechnen die Computer weiter. Sie „träumen“ sozusagen und nutzen ihre Leerlaufzeit zum Lernen.
Wie uns Künstliche Intelligenz mehr kostet, als wir denken: "Während wir schlafen, arbeitet die KI weiter"
Wer heute etwas Zeit in den sozialen Medien verbringt, wird zweifellos feststellen, dass der neueste Hype KI-Filme von berühmten Menschen als Babys sind. Wenn man einen solchen Film dreht und ChatGPT zwischendurch ein paar Fragen stellt, könnte das laut einer aktuellen Studie der US-amerikanischen MIT-Universität bedeuten, dass man die Mikrowelle 3,5 Stunden lang anlässt. Und das für nur einen Nutzer.
Laut dem KI-Experten Steven Latré, der für das belgische Unternehmen Openchip arbeitet, ist dies ein stiller Energiefresser, an den wir kaum denken: "Wir haben die KI so konzipiert, dass sie ständig aktiv ist. Und das erfordert eine enorme Rechenleistung von Computern. Auch wenn nichts abgefragt wird." Jede Sekunde, in der ein KI-Modell läuft, verbraucht Energie. Laut Latré liegt das Problem nicht nur darin, was wir verlangen, sondern auch darin, wie oft und wie schnell wir etwas erwarten: "Wir wollen alles sofort haben. Aber Schnelligkeit und Effizienz sind nicht dasselbe. Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass jede Antwort sofort kommt.“
Die Art und Weise, wie wir künstliche Intelligenz nutzen, verbraucht bereits jetzt große Mengen an Strom und Wasser. Von der Lösung von Hausaufgaben über die Aufnahme von Fotos und Videos bis hin zu schweren mathematischen Berechnungen - viele Menschen nutzen KI quasi jeden Tag. Auch Unternehmen nutzen sie, mehr denn je. Strom dient dem Betrieb von Rechenzentren voller Server und Wasser der Kühlung all dieser Systeme. Eine Frage, die man einem Chatbot stellt, entspricht in etwa dem Betrieb eines Mikrowellenofens für den Bruchteil einer Sekunde bis etwa 8 Sekunden. Je mehr Sie fragen, desto länger läuft natürlich der Ofen.
Nach eigenen Angaben erhält ChatGPT jeden Tag mehr als 1 Milliarde Anfragen. Das entspricht dem Stromverbrauch von mehreren zehntausend Haushalten in den USA. Dabei ist der Energieverbrauch für die Erstellung von Fotos und Videos sowie für KI-Agenten noch nicht berücksichtigt. KI-Agenten stehen für Software, die zum Beispiel unsere Sommerreise selbständig buchen könnte.
Wird der Stromverbrauch in die Höhe schnellen?
Auch bei uns lastet der Druck der KI auf der Stromnachfrage. Schließlich muss alles, was wir von einem Chatbot verlangen, irgendwo aus einem Rechenzentrum kommen. Und der Bau solcher Rechenzentren nimmt bereits überall zu, nicht nur für KI. In Belgien gibt es aktuell 46 Rechenzentren, die Hälfte davon in Flandern und 16 in Brüssel.
Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Boston Consulting Group werden alle Rechenzentren in unserem Land zusammengenommen drei- bis fünfmal mehr verbrauchen als heute, denn es kommen immer mehr Rechenzentren hinzu. "Kurzfristig ist der steigende Verbrauch auf klassische Anwendungen wie Cloud-Speicher zurückzuführen, aber in ein paar Jahren wird er wirklich auf die steigende Nachfrage nach generativer KI zurückzuführen sein (das sind Apps wie ChatGPT oder Anwendungen, die KI-Fotos machen, Anm. d. Ü.). Das wird die Nachfrage nach Strom in die Höhe treiben", so Tom Brijs von der Boston Consulting Group gegenüber VRT NWS.
Nach Berechnungen der französischsprachigen Wirtschaftszeitung L'Echo würde dies bedeuten, dass Rechenzentren bis 2035 10 % des jährlichen Stromverbrauchs in Belgien ausmachen würden. Dieser Vorstoß scheint von großen Unternehmen wie Google zu kommen. Google zum Beispiel baut ein zweites Rechenzentrum in Wallonien. Das Unternehmen hat bereits 5 Mia. € in Datenzentren in unserem Land investiert.
Microsoft plant derzeit den Bau von 3 Datenzentren in der Umgebung von Brüssel. Demnächst wird auch in Neder-Over-Heembeek, ebenfalls in der Nähe von Brüssel, ein großes Rechenzentrum eines IT-Unternehmens eröffnet. Darüber hinaus bauen auch andere Unternehmen, wie z. B. Banken, Rechenzentren, um alle Dienstleistungen am Laufen zu halten. Belgien gilt im Vergleich zu Ländern wie Deutschland und den Niederlanden als attraktiv für die Einrichtung von Datenzentren, weil unser Stromnetz noch nicht „voll“ oder überlastet ist.
Auch der Wasserverbrauch ist enorm
Ein beliebter Vergleich ist, dass ein durchschnittliches Gespräch mit ChatGPT uns einen halben Liter Wasser kostet, um die Server im Datenzentrum zu kühlen, in dem ChatGPT seine Informationen speichert. Multipliziert man dies mit den Millionen von Gesprächen, die täglich allein über ChatGPT geführt werden, kommt man auf Millionen von Litern Wasser. Dieses Wasser kann verdunsten, auslaufen oder die lokale Wasserversorgung unter Druck setzen.
"Einen halben Liter Wasser pro Gespräch mit einem Chatbot muss ich nuancieren", sagt Steven Latré: "Einfach weil niemand die richtigen Berechnungen kennt. Aber es ist eine Menge. Ich höre manchmal, dass eine Chat-Konversation 25 Mal mehr Wasser verbraucht als eine Google-Suche. Aber das sind nur Schätzungen, denn diese Informationen werden von den großen KI-Unternehmen nicht veröffentlicht. Wir wissen zum Beispiel, dass das Training der vorherigen Version des Sprachmodells von ChatGPT 700.000 Liter Wasser verbraucht hat. Bei der aktuellen Version ist es das Zehnfache.“
Die Internationale Energieagentur schätzt, dass Rechenzentren weltweit in diesem Jahr etwa 560 Milliarden Liter Wasser verbrauchen werden. Dieser Wert könnte bis 2030 auf 1.200 Milliarden Liter ansteigen. Das bedeutet, dass diese Rechenzentren bereits das 1,5-fache dessen verbrauchen, was alle Menschen in Belgien zusammen in einem Jahr verbrauchen.
