Belgiens Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke (Vooruit) hat jetzt angeordnet, dass die Kliniken und Fruchtbarkeitszentren, die sich in den vergangenen Jahren in Sachen Samenspenden nicht an die Vorschriften gehalten haben, zu ermitteln. Dies meldet die flämische Tageszeitung Het Laatste Nieuwe in ihrer Donnerstagsausgabe.
Der Skandal um die Samenspenden eines Mannes mit krebsgefährdetem Genmaterial droht sich auszuweiten
Bisher sind in Belgien 7 Fälle bekannt, bei denen sich solche Einrichtungen nicht an die rechtlichen Vorgaben gehandelt haben. Insgesamt, so Gesundheitsminister Vandenbroucke, seien zwischen 2008 und 2017 53 Kinder (nicht 52, wie bisher gemeldet wurde) bei 37 Familien mit dem Samen des umstrittenen Spenders gezeugt worden. Zwei Frauen hätten Fehlgeburten erlitten, also sei aktuell die Rede von 51 Kindern. Von den betroffenen 37 Familien leben derzeit 14 in Belgien, so der Minister.
Laut belgischem Gesetz darf das Genmaterial eines Spenders aber nur bei höchstens sechs Frauen eingesetzt werden. Also liegt hier ein Verstoß vor. In diesem Fall wirkt sich erschwerend aus, dass der aus Dänemark stammende Spender das fehlerhafte Gen der Variante TP53 in sich trägt, dass krebsfördernd wirken kann. Durch diesen Fehler kann dieses Gen, das eigentlich Tumore unterdrücken soll, seine Funktion und es können sich Zellen unkontrolliert entwickeln, was man medizinisch ausgedrückt das „Li-Fraumeni-Syndrom“ nennt.
Die belgischen Gesundheitsbehörden ermitteln
Viele der Fälle sind aus juristischer Sicht wohl verjährt, doch die Behörden in Belgien werden trotzdem versuchen, die Fruchtbarkeitszentren zu ermitteln, die gegen geltendes Recht verstoßen haben. Zu den Behörden, die sich hier einschalten, gehört die belgische Bundesagentur für Gesundheitsprodukte und Medikamente FAGG, die den Vorgang auch bei der Bundesstaatsanwaltschaft angezeigt hat. Diese Behörde lässt wissen, dass ihr bisher drei Kliniken bzw. Fruchtbarkeitszentren bekannt seien, die gegen das hier geltende Gesetz verstoßen haben. Um welche Einrichtungen es sich hier handelt, wurde nicht bekanntgegeben.
Laut FAGG ist eines der Probleme in diesem Fall, dass die verschiedenen Fruchtbarkeitszentren nicht miteinander kommunizieren. Bis 2024 mussten sich solche Einrichtungen zudem auf das Ehrenwort der Samenspender verlassen, dass diese nur bei ihnen spendeten. Seit dem 1. Januar 2024 gibt es in Belgien ein zentrales Spenderregister. Das nächste Problem ist - wie im vorliegenden Fall, dass nicht selten Samen von ausländischen Spendern in Belgien genutzt werden (hier ein Däne). Auch hier ist genaue Kommunikation Fehlanzeige. Es gibt kein europäisches Spenderregister…
