Brügge und Gent wollen dem Massentourismus entgegenwirken und künftig die Größe von Touristengruppen beschränken. Grund ist die Belästigung durch große Gruppen. Anscheinend haben sich insbesondere spanischsprachige Gruppen unbeliebt gemacht – mit eigenen, oft schlecht ausgebildeten Fremdenführern.
Brügge und Gent wollen großen Touristengruppen mit eigenen Guides Einhalt gebieten
Die flämischen Städte Brügge und Gent werden immer häufiger mit großen Touristengruppen aus über 60 Personen mit eigenen Reiseleitern konfrontiert. Diese Gruppen besuchen beide Städte oft an einem einzigen Tag und verursachen laut den lokalen Behörden und Stadtführern erhebliche Störungen.
„Masse ist Kasse – aber auf Kosten der Qualität“, kritisiert Minou Esquenet (christdemokratische CD&V), Stadträtin von Brügge und stellt die mangelhaft ausgebildeten Guides an den Pranger. Auch Simon Vandekerckhove von der Brügger Agentur Legends of Bruges bemängelt: „Diese Gruppen bringen ihre eigenen Reiseleiter mit, die kaum Ahnung haben.“
In Gent (Foto unten) schildert Mieke Thienpont vom Verein Gentse Gidsen ein ähnliches Bild: „Es sind riesige Gruppen, die mitten auf der Straße stehen und über Lautsprecher aufgeklärt werden – das ist störend und gefährlich.“
Spanischsprachige Gruppen im Fokus
Den Unmut erregen besonders häufig spanischsprachige Gruppen. Pieter Deprey, Koordinator der Sankt-Bavo-Kathedrale in Gent, berichtet: „Sie betreten die Kathedrale lautstark und übertönen andere Gruppen. Rücksicht auf andere Besucher wird kaum genommen.“ Zudem würden sie bezahlpflichtige Bereiche und den Souvenirshop oft meiden.
Eine spanische Reiseleiterin zeigt Verständnis: „Ich weiß, dass unsere Gruppen stören können, aber ich versuche einfach, meinen Job gut zu machen. Die Zeit ist knapp – nach Gent müssen wir noch nach Brügge.“
Obwohl die Veranstalter dieser Billigtouren keine Regeln verletzen – die Touren kosten teils nur 40 bis 50 Euro – werfen Kritiker Fragen zur Professionalität und Entlohnung der Guides auf. „Viele erhalten nur Trinkgelder“, so Thienpont.
Schlechter Ruf für die gesamte Branche
Das Geschäftsmodell dieser Veranstalter sorge für Reputationsschäden, sagen etablierte Anbieter. „Wir setzen bewusst auf kleine Gruppen und individuelle Führungen“, betont Vandekerckhove.
Nicht alle in der Branche teilen jedoch die harte Kritik. „Diese Guides sind oft jung, dynamisch und erhalten gute Bewertungen auf Plattformen wie Tripadvisor“, sagt Michel Goeman vom Gidsenkring Brugge. Auch seien viele von ihnen mit offiziellen Stadt-Badges ausgestattet.
Neue Regeln in Sicht
Brügge will zeitnah handeln. „Wir planen eine Änderung der Polizeiverordnung, um Gruppengrößen auf etwa 20 Personen zu begrenzen“, erklärt Stadträtin Esquenet. Zudem schlägt sie ein verpflichtendes Qualitätssystem für Guides vor – mit mindestens zwei Stunden Schulung als Grundlage.
Gent (Foto oben) beobachtet die Maßnahmen in Brügge genau. „Wir denken über ähnliche Schritte nach“, sagt Sofie Bracke (Voor Gent). „Die Kunststädte müssen ihre Regeln aufeinander abstimmen, um Klarheit für ausländische Gruppen zu schaffen.“ Eine Umsetzung in Gent dürfte aber erst nach Abschluss der Haushaltsverhandlungen erfolgen. „Bis Ende des Jahres möchte ich ein Maßnahmenpaket gegen Overtourism vorlegen“, so Bracke.
