Die Entscheidung der sozialdemokratischen Partei Vooruit, sich an der Regierung zu beteiligen, zahlt sich wahlpolitisch aus. Das zeigt die neue Ausgabe des Politbarometers De Stemming im Auftrag von VRT NWS, De Standaard und RTBF durchgeführt wurde. Die N-VA bleibt deutlich stärkste Partei in Flandern, während Open VLD weiter abrutscht und nur noch knapp über der Wahlhürde liegt.
Umfrage „De Stemming“: Vooruit profitiert von Regierungsbeteiligung – Open VLD knapp über der Wahlhürde
Fast ein Jahr nach den letzten Wahlen ermittelt die Umfrage erneut die politischen Präferenzen und gesellschaftlichen Sorgen der Belgier. Die Umfrage wurde im März 2025 von der Universität Antwerpen und der Université Libre de Bruxelles durchgeführt.
Die Nationalisten der N-VA führen mit 25 Prozent klar und bauen ihren Vorsprung auf den angeknacksten zweitplatzierten Vlaams Belang (Rechtsextreme) auf über fünf Prozentpunkte aus. Vooruit (Sozialdemokraten) belegt Rang drei und gewinnt Stimmen hinzu, dicht gefolgt vom Koalitionspartner CD&V (Christdemokraten). Open VLD (die Liberalen) bildet das Schlusslicht in Flandern und liegt nur knapp über der 5-Prozent-Hürde.
Erstmals wurden unentschlossene Wähler in der Umfrage separat ausgewiesen -7,2 Prozent wissen derzeit nicht, wen sie wählen würden.
Regierungsbeteiligung zahlt sich für Vooruit aus
Bei einer Umrechnung der Unentschlossenen nach dem bisherigen Proporzmodell zeigt sich, dass Vooruit als einzige Partei deutlich zulegt, selbst unter Einbezug der statistischen Fehlermarge.
„Die Umfrage belegt, dass Vooruit mit seiner Entscheidung richtig lag“, sagt Politikwissenschaftler Stefaan Walgrave (Universität Antwerpen). Die Partei habe ein Risiko eingegangen, indem sie als einzige linke Kraft einer Reformregierung beitrat, die strukturelle Veränderungen bei Renten und Arbeitsmarkt durchsetzt.
Auch CD&V sei ein Wagnis eingegangen und komme in der Erhebung gut weg.
Extreme links und rechts stagnieren
Während in den letzten Jahren extreme Parteien an Zustimmung gewannen und das politische Zentrum verlor, scheint dieser Trend nun gestoppt. „Vlaams Belang und die linksextreme PVDA gewinnen nicht hinzu, verlieren aber auch nicht deutlich“, so Walgrave: „Man kann sagen, dass der Drang zu den Extremen momentan gestoppt wurde.“
Open VLD im freien Fall
Für die liberale Partei Open VLD stellt die Umfrage ein erneutes Tief dar: Sie ist derzeit die kleinste Partei Flanderns und liegt selbst bei optimistischster Schätzung unter dem Wahlergebnis von 2024.
Laut Walgrave haben sich viele ehemalige Wähler der Partei abgewendet, ohne einer anderen Partei ihre Stimme zu geben. Viele von ihnen gelten nun als unentschlossen, könnten aber theoretisch zurückgewonnen werden: „Sie haben ihre Liebe zu einer anderen Partei noch nicht erklärt.“
Unentschlossene tendieren zu CD&V und Vooruit
Doch die Rückkehr der Unentschlossenen zur Open VLD ist keineswegs sicher. Aktuell geben 41 Prozent dieser Wähler an, vor allem eine Stimme für CD&V in Erwägung zu ziehen, gefolgt von Vooruit und der N-VA mit jeweils 31 Prozent. Nur knapp ein Viertel der Unentschlossenen zieht Open VLD in Betracht – schlechter schneiden nur noch die Extremparteien ab.
