In Flandern ist das Rad so beliebt wie nie zuvor: 18,5 Prozent aller Wege werden mittlerweile mit dem Rad zurückgelegt – unter der Woche liegt der Anteil sogar bei 20 Prozent. Besonders gerne auf dem Rad unterwegs sind Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren: Rund 38 Prozent ihrer Wege legen sie mit dem Rad zurück. Das zeigt die siebte Ausgabe der Mobilitätsstudie des flämischen Verkehrsministeriums.
Die Studie, die seit 1994 regelmäßig durchgeführt wird, weist zudem auf einen klaren Trend hin: Elektrische Fahrräder gewinnen weiter an Bedeutung. Inzwischen besitzt fast jede zweite flämische Familie ein E-Bike (44,4 Prozent), inklusive Speed-Pedelecs. Zum Vergleich: In der vorherigen Befragung waren es noch 32,8 Prozent.
Ein bemerkenswerter Wandel zeigt sich auch beim Pendelverkehr: Zwar bleibt das Auto mit einem Anteil von 60,9 Prozent das häufigste Verkehrsmittel auf dem Weg zur Arbeit, doch die Fahrradnutzung nimmt deutlich zu. Bereits 22,1 Prozent der Berufspendler fahren mit dem Rad zur Arbeit. Erstmals übersteigen dabei die E-Bikes (10,4 Prozent) und Speed-Pedelecs (1,8 Prozent) das klassische Fahrrad (9,9 Prozent).
„Unternehmen und Organisationen fördern den Umstieg aufs Fahrrad aktiv, insbesondere für den Arbeitsweg – das spiegelt sich auch in den Zahlen wider“, erklärt Nick Arys, Sprecher des flämischen Ministeriums für Mobilität und Öffentliche Arbeiten.
Eine Einschränkung bei der Vergleichbarkeit der Ergebnisse: Die aktuelle Erhebung basiert auf einer deutlich größeren Teilnehmerzahl (23.907 im Vergleich zu 4.183 in der Vorstudie) und einer leicht veränderten Methodik. Dennoch bestätigen auch andere Studien, wie jene des föderalen Mobilitätsdienstes, den klaren Aufwärtstrend beim Fahrradgebrauch in Flandern.
Pendler setzen zunehmend auf E-Bikes
Auch wenn das Auto mit 60,9 Prozent nach wie vor das bevorzugte Verkehrsmittel für den Arbeitsweg in Flandern ist, gewinnt das Fahrrad beim Pendeln weiter an Bedeutung: 22,1
Kein Wunder also, dass auch der Besitz von E-Bikes zunimmt: 44,4 Prozent der flämischen Haushalte verfügen inzwischen über ein elektrisches Fahrrad, inklusive Speed-Pedelec. Im Vergleich zur vorherigen Erhebung zwischen Oktober 2021 und November 2022 ist das ein deutlicher Anstieg – damals lag der Anteil noch bei 32,8 Prozent.
Mehr Autofahrten, weniger zu Fuß
Im Vergleich zur letzten Erhebung steigt die Autonutzung in Flandern leicht an: 45,8 Prozent aller Wege werden als Fahrer*in eines Autos zurückgelegt, zuvor waren es 44 Prozent. Eine mögliche Erklärung liefert die veränderte Arbeitssituation: Nach dem Ende vieler Homeoffice-Regelungen pendeln mehr Menschen wieder regelmäßig zur Arbeitsstelle.
Auffällig ist: Sowohl das Radfahren als auch das Autofahren nehmen zu. Was also geht zurück? Die Zahl der Wege zu Fuß ist gesunken – von 17,3 auf 14,6 Prozent. Dennoch liegt dieser Wert immer noch über dem Niveau vor der Corona-Pandemie (13,1 Prozent).
Nachhaltige Mobilität unter Druck
Der Anteil nachhaltiger Verkehrsmittel – also zu Fuß, mit dem (E-)Fahrrad, öffentlichen Verkehrsmitteln, E-Scootern, Taxis oder Car-Sharing – liegt aktuell bei 46,9 Prozent. Damit ist er zwar niedriger als im vorigen Untersuchungszeitraum (49 Prozent), aber immer noch deutlich umweltfreundlicher als vor der Pandemie.
Positiv entwickelt sich die Nutzung von Sharing-Systemen: 8,9 Prozent der Befragten greifen auf geteilte Verkehrsmittel zurück – fast fünfmal so viele wie noch bei der letzten Erhebung. Allerdings machen Fahrten mit geteilten Angeboten bisher nur 2,5 Prozent aller Wege in Flandern aus.
Radhochburgen in Flandern: Besonders viele Radfahrer in Brügge, Gent und den Kempen
Erstmals wurde im Rahmen der Mobilitätsstudie auch das tatsächliche Bewegungsmuster der Bevölkerung kartografisch erfasst – mit klaren regionalen Unterschieden: Am häufigsten wird das Fahrrad in den Verkehrsregionen Brügge, Gent und den Kempen genutzt. Am seltensten greifen Menschen in den Flämischen Ardennen und dem Raum rund um Brüssel zum Rad.
Beim öffentlichen Verkehr liegen Antwerpen und die Vororte von Brüssel vorn.
„Jede Verkehrsregion hat ihre eigenen Besonderheiten, und die spiegeln sich auch im Mobilitätsverhalten wider“, erklärt Nick Arys, Sprecher des flämischen Mobilitätsministeriums: „Die Flämischen Ardennen sind beispielsweise deutlich hügeliger – das kann für manche Menschen eine Hürde darstellen, um aufs Fahrrad zu steigen. Die Kempen dagegen sind viel flacher. Auch der Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes spielt eine wichtige Rolle.“
