Am Donnerstagabend stieg weißer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle im Vatikan auf. Das Konklave wählte den US-Amerikaner Robert Prevost zum nächsten Papst, der den Namen Leo XIV tragen wird. Die belgischen Bischöfe und das Jugendnetzwerk der Katholischen Kirche Flandern zeigen sich zufrieden mit der Wahl Prevosts - doch es gibt auch Kritik.
Die belgischen Bischöfe sind sehr erfreut über die Wahl des neuen Papstes. Das sagte ihr Sprecher Geert De Kerpel am Donnerstagabend aus Rom. „Die Tatsache, dass er so schnell gewählt wurde, ist ein Zeichen der Einheit innerhalb der Kirche“, heißt es.
Prevost begleitete Franziskus im vergangenen Jahr bei seinem Besuch in Belgien. Die belgischen Bischöfe kennen ihn daher gut. Laut De Kerpel wird Prevost als Papst Leo XIV die Linie seines Vorgängers Papst Franziskus fortsetzen. „Franziskus blickt aus dem Himmel herab und zwinkert“, so De Kerpel. Der vorige Papst hatte den amerikanischen Geistlichen nach Rom geholt und an die Spitze der Abteilung gestellt, die Bischöfe ernennt.
Robert Prevost war einer der Kandidaten, auf die wir unsere Hoffnung gesetzt hatten
Johan Bonny, Bischof von Antwerpen
Auch der Bischof von Antwerpen, Johan Bonny, zeigte sich erleichtert. „Robert Prevost war einer der Kandidaten, auf die wir unsere Hoffnung gesetzt hatten. Wenn unsere zwei belgischen Kandidaten für ihn gestimmt haben, bin ich ihnen wirklich dankbar.“ Bonny kennt Prevost vor allem als einen ruhigen, zuhörenden Mann. „Er ist nicht die große, charismatische Figur, die alle möglichen Ideen lancieren wird, sondern jemand, der ernsthaft zuhört, sich einfühlt, relativiert, aber die Dinge ernst nimmt.“
Wie De Kerpel hält auch Bonny Prevost für den idealen Papst, um die Ideen des verstorbenen Papstes Franziskus weiterzuentwickeln und umzusetzen. „Papst Franziskus hat viele Ideen lanciert, die jetzt konkret umgesetzt und in den Apparat der Kirche integriert werden müssen. Papst Leo ist die geeignete Figur dafür. Er kennt den Maschinenraum der Kirche von innen.“
Jugendnetzwerk Kamino sehr begeistert über Papst Leo XIV
Das Jugendnetzwerk der Katholischen Kirche in Flandern, Kamino, ist sehr zufrieden mit der Ernennung Robert Prevosts zum Papst. „Wir hatten letzte Woche bereits im Namen der Jugendlichen einen Brief geschrieben, dass dieser Papst unseren Erwartungen entspricht“, sagte Direktorin Sofi Van Ussel am Donnerstagabend in VRT NWS Laat.
Für ihre Begeisterung hat Van Ussel gute Gründe: „Franziskus hat die Samen gepflanzt, und jetzt müssen wir die Früchte ernten. Leo XIV hat die Erfahrung, diese Linie fortzuführen, den Dialog weiterzuführen, Machtmissbrauch zu bekämpfen, und so weiter.“ Darüber hinaus sei es auch ein starkes Signal an die Welt, meint die Direktorin. „Er ist ein Friedensstifter und Brückenbauer. Wir hoffen, dass er es verwirklichen kann.“
Van Ussel ist jedenfalls sehr positiv gestimmt. „Auf dem Balkon sah ich jemanden aus Fleisch und Blut, der gerührt war und seine Tränen zurückhalten musste. Er ist ein Mitpilger und Mitgläubiger. Ich erwarte, dass er Aufmerksamkeit für die Armen und Schwachen haben wird. Er sagte auch, dass die Kirche für alle da ist. Für den Rest müssen wir nun gemeinsam auf den Weg gehen. Das ist das Schönste, was wir heute sehen konnten.“
Priester Rik Devillé übt scharfe Kritik am neuen Papst
Priester Rik Devillé, der sich für belgische Opfer sexueller Gewalt in der Kirche einsetzt, ist enttäuscht über die Entscheidung für Prevost. Eine große amerikanische Opferorganisation wirft ihm nämlich vor, sexuellen Missbrauch in der amerikanischen Kirche vertuscht zu haben.
„Dies ist peinlich und viele Schritte zurück in die Vergangenheit“, sagt Devillé gegenüber VRT NWS. „Es gibt keine Hoffnung mehr auf einen gerechten, korrekten Umgang mit Opfern.“
