König Philippe besuchte im Rahmen seines Staatsbesuchs in Tschechien auch Pilsen, um persönlich an den Gedenkfeierlichkeiten zur Befreiung der tschechischen Stadt teilzunehmen. 1945, am Ende des Zweiten Weltkriegs, waren belgische Soldaten entscheidend an der Befreiung von Pilsen beteiligt. Die Geburtsstätte des Pils (das erste erfolgreiche Lagerbier wurde dort 1842 gebraut) ist eine der wenigen tschechischen Städte, die nicht von sowjetischen Truppen befreit wurden, sondern vom 17. belgischen Füsilier-Bataillon, das damals dort zusammen mit US-Truppen eingesetzt wurde.
König Philipp in Pilsen, die tschechische Stadt, die vor 80 Jahren von einem belgischen Bataillon befreit wurde
König Philipp ist am Montagnachmittag in der tschechischen Hauptstadt Prag feierlich empfangen worden. Das Staatsoberhaupt wurde vom tschechischen Präsidenten Petr Pavel und von tschechischen Militärangehörigen zu einem feierlichen Empfang zu seinem Statsbesuch in Tschechien auf der Prager Burg willkommen geheißen. Tschechiens Präsident Pavel überreichte König Philippe dort die höchste staatliche Auszeichnung, die sein Land zu vergeben hat, nämlich den „Orden des Weißen Löwen“.
Gedenken in Pilsen und die Entstehung der belgischen Befreiungseinheiten
Am 12. September 1944 war der größte Teil Belgiens befreit und es wurden schnell Truppen für die Instandsetzung von Straßen und für die Bewachung von Straßen, Städten, Depots und deutschen Kriegsgefangenen benötigt. Da es den Alliierten zu diesem Zeitpunkt noch an Infanterie für die Front fehlte, waren neue Freiwilligenverbände sehr willkommen. Insgesamt wurden 53 Freiwilligenbataillone aus Belgien mit je 801 Mann aufgestellt. Das 17. Füsilier-Bataillon wurde in Péruwelz im Hennegau ins Leben gerufen.
Die Idee für Einheiten mit Freiwilligen war bereits ein Jahr zuvor, im Juni 1943, bei der belgischen Exilregierung in London entstanden. Nach dem „Pierlot-Plan“ (des damaligen Premierministers Hubert Pierlot) sollte Belgien mit Fortschreiten der Befreiung Belgiens neue Einheiten aufstellen. „Die Alliierten hatten dies gefordert“, erklärt Major Dave Warnier, Leiter des Lehrstuhls für Geschichte an der Königlichen Militärschule (KMS): „Im Grunde sollten sie die so genannten 'dummen Jobs' übernehmen, wie die Bewachung von Munitionsdepots. Alliierte Truppen mit viel Kampferfahrung dafür zu 'opfern', wäre eine Verschwendung gewesen und das gefiel den Briten und den Amerikanern nicht.“
Die Freiwilligen für die neuen Bataillone rekrutieren sich hauptsächlich aus ehemaligen Widerstandskämpfern. Zum 17. Füsilier-Bataillon gehörten Mitglieder des ehemaligen geheimen Widerstands im Untergrund gegen das Naziregime in der Provinz Lüttich. „Man hat den Leuten aus dem Widerstand den Vorzug gegeben, weil sie diszipliniert waren und bereits gelernt hatten, mit Waffen umzugehen“, erklärte Major Warnier: „Daher brauchten sie weniger langes Training.“
Dringend nötige Verstärkung
Die britischen und amerikanischen Truppen konnte die Verstärkung durch Freiwillige gut gebrauchen. Normalerweise dauerte die Ausbildung damals drei Monate, aber die Amerikaner brauchten die Leute schneller und so mussten die Rekruten schon nach fünf Wochen einrücken. Das 17. Bataillon ging zunächst nach Eupen in den damaligen Ostkantonen, die wiederum seinerzeit zum Deutschen Reich gehörten, und dann weiter über den Rhein. Im März 1945 wurde das 17. Füsilier-Bataillon der 3. Armee von General Patton zugeteilt.
Gemeinsam mit den Amerikanern gelang es den belgischen Truppen am Ende des Zweiten Weltkriegs, die Nazi-Invasoren Hunderte von Kilometern nach Deutschland und in die Tschechoslowakei zurückzudrängen. „Sie sind das einzige Bataillon, das so weit gekommen ist“, so Major Warnier weiter: „Eigentlich sollten sie nicht mit über die Grenze gehen, schließlich waren sie nur Soldaten mit Grundausbildung, aber die Amerikaner haben sie mitgenommen.“
Das 17. Füsilier-Bataillon war aber ziemlich gut ausgebildet und durch den Kampf im Untergrund mit Erfahrung ausgestattet: „Die Belgier haben die Nachhut gebildet und dabei eine sehr wichtige Rolle gespielt. Jeder denkt, das seien nur Touristen, aber das stimmt nicht. Die Frontlinie am Ende des Krieges bewegt sich sehr schnell.“
Glückwünsche von Eisenhower
Am 6. Mai 1945, zwei Tage vor der Kapitulation des Nazi-Regimes, befreiten die Belgier zusammen mit US-Truppen die Stadt Pilsen. Auch umliegende Gemeinden wie Stříbro und Tachov wurden befreit und die Lütticher Füsiliere halfen bei der Auflösung des Konzentrationslagers Holýšov und befreiten 700 unschuldige Frauen, die dort festgehalten worden waren. Pilsen war einer der letzten Kriegsschauplätze des Zweiten Weltkriegs in Europa.
Zwei Monate später wurden sie vom Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte, General Eisenhower, beglückwünscht. „Offiziell blieben die Bataillone bis 1946 bestehen“, erklärt Major Warnier, „aber in der Praxis wurden sie nach Hause geschickt, sobald die Briten oder Amerikaner sie nicht mehr brauchten, und dann aufgelöst.“
König Philipp zum ersten Mal bei einer Gedenkfeier in Pilsen
In diesem Jahr sind Belgien und die Tschechische Republik zum ersten Mal auf höchster Ebene, nämlich mit ihren Staatsoberhäuptern bei der Gedenkfeier in Pilsen vertreten. 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs legte König Philippe gemeinsam mit dem tschechischen Staatspräsidenten Petr Pavel Blumen an der Gedenktafel für das 17. Füsilier-Bataillon am Rathaus von Pilsen Blumen nieder.
König Philippe sprach dort auch mit Angehörigen der belgischen Veteranen. Die belgischen Veteranen selbst sind nicht mehr dabei. Der letzte von ihnen ist 2023 gestorben. Belgische Soldaten, die an der Invasion der Alliierten 1944 teilnahmen, waren ebenfalls an der Befreiung mehrerer Städte in Europa beteiligt, z.B. die Städte Cabourg, Deauville und Honfleur in der Normandie in Frankreich oder auch Thorn in Niederländisch-Limburg.
