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Die Belgier verlassen massenhaft X: Soziales Netzwerk verliert in anderthalb Jahren eine Million belgische Nutzer

Innerhalb von nur eineinhalb Jahren hat das soziale Netzwerk X mehr als 1,1 Millionen belgische Nutzer verloren. Das ist rund ein Drittel seiner Gesamtanzahl in unserem Land. Und nicht nur in Belgien ist die Zahl der X-Nutzer stark rückläufig, auch im übrigen Europa ist der Rückgang groß. So stark, dass X heute weniger europäische Nutzer hat als vor seiner Übernahme durch den Milliardär Elon Musk im Jahr 2022.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

In der EU hat X heute 94,8 Millionen Nutzer, wie aus einem neuen „Transparenzbericht“ von X hervorgeht, über den US-Tech-Medien berichten. Das ist eine auffallend niedrige Zahl. Vor der Übernahme des früheren „Twitter“ durch den Milliardär und Tesla-Chef Elon Musk im Jahr 2022 rühmte sich das soziale Netzwerk mit „mehr als 100 Millionen Nutzern in Europa“. 

Normalerweise gibt X solche expliziten Nutzerzahlen nicht ohne Weiteres heraus, aber das EU-Gesetz über digitale Dienste verlangt von Technologieunternehmen Berichte darüber, wie sie die Inhalte auf ihren Plattformen moderieren. In dieser Art von Bericht weist X insbesondere auf die Zahl der „monatlich aktiven Empfänger ihres Dienstes“ in der EU hin.

Ein kurzer Blick zurück zeigt, dass X im November 2023 - also vor etwa anderthalb Jahren - noch über 126 Millionen europäische Nutzer hatte. Heute ist diese Zahl sogar um ein Viertel gesunken. Allein in den letzten sechs Monaten hat X 11 Millionen Nutzer in der EU verloren, das sind 10 % der gesamten Nutzerzahl.

Rascher Rückgang in Belgien

In Belgien setzt sich dieser Sinkflug noch stärker fort. Im November 2023 zählte man hier noch fast 3,4 Millionen Nutzer. Heute sind es nur noch 2,2 Millionen, also ein Drittel weniger. In den letzten sechs Monaten sind 11 % der Nutzer verschwunden. 

Kein Wunder: In den letzten Monaten kamen häufiger Berichte von Organisationen, Einrichtungen und sogar Behörden, die X verlassen haben: Die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB, die flämische und die Brüsseler Verkehrsbetriebe De Lijn und MIVB/STIB über Gewerkschaften bis hin zur Partei der flämischen Grünen (Groen) oder auch der flämischen Tageszeitung De Morgen.

Im Vergleich zu den anderen EU-Ländern in dem Bericht geht der Rückgang der Zahl der X-Nutzer in Belgien relativ schnell voran. Polen (-48%) und Luxemburg (-45%) setzen sich in dieser Hinsicht die Krone auf und auch in Griechenland, Slowenien, Spanien und Irland verläuft der Rückgang etwas schneller als in Belgien.

„Video-Ding auf Steroiden“

„X ist zu einer Art Video-Ding auf Steroiden geworden“, sagt Tim Verheyden, Experte für soziale Medien bei VRT NWS:„Es gibt kaum noch interessante Inhalte, es sei denn, man hält sich an die politische Ideologie, die Musk und X vermarkten. Hier und da kann man noch einen flämischen Meinungsmacher finden, der sich Gehör verschafft und die Menschen erreicht. Aber diese Reichweite ist nicht sehr groß“.

Verheyden zufolge ist X einfach zu politisch aufgeladen, um noch ein interessantes Multi-Voice-Medium zu sein: „Außerdem ist TikTok ein viel interessanteres Medium für, sagen wir, junge Leute. X war eigentlich schon ein recht kleines Netzwerk. Musk wollte es in einen riesigen Marktplatz der Meinungen verwandeln. X ist aber zu einem Abwasserkanal geworden.“

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