Am Freitagnachmittag läuft in Gent der erste EX30 vom Band – ein Erfolgsmodell, das der schwedisch-chinesische Autobauer Volvo 2023 Belgien anvertraut hat. Der Produktionsstart ist nicht nur symbolisch, sondern von entscheidender Bedeutung für die Zukunft der belgischen Automobilindustrie. Nach der Schließung von Audi Brüssel ist Volvo Gent die letzte verbliebene Autofabrik in unserem Land.
Hoffnung für die belgische Automobilindustrie: Volvo startet Produktion des EX30 in Gent
Der Hersteller ist ein bedeutender Akteur in der belgischen Wirtschaft. Im Jahr 2023 erzielte Volvo Car Belgium einen Umsatz von knapp 8 Milliarden Euro. Die Genter Fabrik, Volvo Car Gent, produzierte im selben Jahr 230.527 Fahrzeuge, darunter die beliebten Modelle EX40, EC40 und V60. Mit 6.500 Mitarbeitenden ist sie der größte industrielle Arbeitgeber in der Provinz Ostflandern.
Die Zuteilung eines neuen Modells ist in der Automobilbranche überlebenswichtig – ohne Nachfolgemodell versiegt der Auftragsfluss. Audi Brüssel hat diese Realität schmerzhaft erfahren müssen, nachdem keine neue Modellgeneration zugewiesen wurde und die Produktion des Q8 e-tron endete. In Gent soll der EX30 nun das Gegenteil beweisen. Der kompakte SUV richtet sich an urbane Fahrerinnen und Fahrer und junge Familien und ist zu einem Einstiegspreis von rund 39.000 Euro erhältlich. Zudem weist er den bislang niedrigsten CO₂-Fußabdruck aller Volvo-Modelle auf.
Ursprünglich wurde der EX30 ausschließlich in China gefertigt. Doch aufgrund der enormen Nachfrage aus Europa – die 80 Prozent des weltweiten Absatzes ausmacht – und um Importzölle zu umgehen, entschied sich Volvo, die Produktion auch nach Gent zu verlagern.
Diese Entscheidung ist bemerkenswert, gerade in einer Zeit, in der internationale Spannungen und Handelsbarrieren – insbesondere zwischen Europa und China – die Autobranche zunehmend belasten. Hinzu kommt, dass die belgische Industrie seit jeher mit hohen Lohnkosten kämpft, was die internationale Wettbewerbsfähigkeit schwächt.
Rekordtempo
Belgische Unternehmen müssen diesen Nachteil durch außergewöhnliche Effizienz und technologische Innovationskraft wettmachen. Das Werk in Gent demonstriert dies eindrucksvoll: Die neue Produktionslinie für den EX30 wurde in Rekordzeit von nur anderthalb Jahren aufgebaut – beispiellos innerhalb der Volvo-Gruppe.
Um die Produktion zu ermöglichen, wurde das Werk umfassend umgestaltet. Eine ehemalige Lagerhalle von 40.000 Quadratmetern wurde in eine hochmoderne Montagelinie mit 580 Robotern verwandelt, wodurch sich die Produktionszeit eines Fahrzeugs halbierte. Insgesamt wurden über 200 Millionen Euro investiert, wovon die flämische Regionalregierung 3 Millionen übernahm.
Neben der Endmontage des EX30 werden in Gent auch zentrale Fahrzeugteile wie Batterien und Türverkleidungen gefertigt. Dies verkürzt die Lieferketten und reduziert den ökologischen Fußabdruck des Fahrzeugs. Die Fabrik verfolgt das Ziel, klimaneutral zu produzieren – unter anderem durch den Einsatz von Biogas und elektrifizierten Öfen in der Lackiererei.
Mit dem EX30 als viertem Modell – neben dem EX40, EC40 und V60 – wird der Anteil elektrischer Fahrzeuge in der belgischen Produktion von Volvo Cars weiter steigen.
Premierminister De Wever: „Wir müssen unsere Industrie mehr denn je wertschätzen!“
Auf Facebook teilte Premierminister De Wever (Nationaldemokraten, N-VA) mit, dass er der Fabrik am Freitag einen Besuch abgestattet hat.
„Heute durfte ich in Gent den ersten in diesem Land montierten Volvo EX30 testen – mit Batterien, die ebenfalls vor Ort produziert werden. Das ist von großer Bedeutung. Wir müssen unsere Industrie mehr denn je wertschätzen!“
